Zum Menü springen

Bwa Kayiman—Tout Moun se Moun

Performances, Diskurs, Musik, Tanz, Film, Food

2.–4.8.2024

Rainbow Panel (The Waters of Kiskeya), Jean-Ulrick Désert, 2017.

Jean-Ulrick Désert, Rainbow Panel (The Waters of Kiskeya), 2017. Foto: Ludger Paffrath

…There is much to despair in the present of Haiti, but the revolution is a lifelong struggle and we will not forget…
—Prof. Marlene L. Daut

Ausschlaggebend für die zweite Ausgabe von Bwa Kayiman – Tout Moun se Moun im HKW war die Arbeit des haitianischen Lyrikers und kommunistischen Aktivisten René Depestre, dessen Poesie einen entscheidenden Beitrag zu Überlegungen zu Relationalität und humanité geleistet hat. Wie er in seinem Gedicht „Une conscience en fleur pour autrui” darlegt :

Ma joie est de savoir que tu es moi
et que moi je suis fortement toi.

Tu sais que ton froid dessèche mes os

et que mon chaud vivifie tes veines. 

Ma peur fait trembler tes yeux 
et ta faim fait pâlir ma bouche. 

Sans ta force d’être un feu libre
 
ma conscience serait plus seule 
que la terre morte d’un désert.1

In dem zweiten Jahr orientiert sich diese Wiederaufführung von Bwa Kayiman an Mawu, dem Vodou-Geist des himmlischen Lichts und der weltlichen Ordnung, mit einem Augenmerk auf Praktiken der Fürsorge und menschlichen Anerkennung, die nach wie vor entscheidend für den Entwurf kollektiver Zukünfte sind. Ausgehend von der ersten Zelebration im HKW im Jahr 2023 mit dem Titel Begegnungen im Herzen der Befreiung begeben wir uns erneut auf den Weg der Fürsorge und Heilung, der eine Gelegenheit bieten soll, über die Wiedergutmachung für die Menschen in Haiti und andere Gruppen zu reflektieren, die repressiven und ausbeuterischen Regimen unterworfen sind, in denen die Grundidee menschlichen Seins missachtet wird: Tout moun se moun.

Anders formuliert könnte die Frage wie folgt lauten: Wie kann die Welt aktiv dazu beitragen, dass die überfälligen Schulden endlich an Haiti zurückgezahlt werden? Ein Land, dessen Bewohner*innen den Samen der Befreiung pflanzten, der dann unter anderem an Orten wie Brasilien, Martinique, den USA und Liberia aufging.

Neben Künstler*innen, Denker*innen, Priester*innen und Geistern, die Menschen und kollektiven Lebensformen aus Haiti, der Karibik, Asien, Afrika und darüber hinaus den Weg weisen, wird das HKW vom 2.–4. August 2024 eine Reihe von performativen Gesten präsentieren, wie etwa körperliche Ausdrucksformen, diskursive Treffen, Sound-basierte Diskurse und Angebote, Momente des Foodsharings sowie gemeinschaftliche Agoren, um jenen traditionsreichen emanzipierten Gruppen Anerkennung zu zollen, die heute so wenig Beachtung erfahren. Die Serie Bwa Kayiman setzt sich zum Ziel, Zelebrationen sowie Formen der Erinnerung und Wiedergutmachung für Haiti und dessen wegweisende Revolution einen Raum zu geben, ohne die gegenwärtige politische und ökonomische Krise außer Acht zu lassen.

1 René Depestre, En état de poésie (Petite sirène) (Paris: Les éditeurs français réunis, 2012), digital edition, 28.  English translation: ‘My joy is to know that you are me and that I am strongly you. You know that your coldness dries up my bones and that my heat invigorates your veins. My fear makes your eyes tremble and your hunger makes my mouth turn pale. Without your strength to be a free fire my conscience would be lonelier than the dead earth of a desert.’