Fr, 03. Oktober 2008

Doppelprojektionen: Casablanca

Visuelle Kommentare begleiten das Screening von Casablanca.


Ein Programm von Remember Resistance

Remember Resistance interessiert sich für die Hintergründe des bekannten Filmklassikers und nimmt den Schauplatz Casablanca genauer in den Blick: als „Knotenpunkt der Migration“ im Faschismus und bis zur Gegenwart sowie als Projektionsfläche mannigfaltiger Phantasien.

So wird Humphrey Bogarts Rolle historisch ausgemalt: Der aus den USA nach Marokko abgewanderte kleinkriminelle Caféhaus-Besitzers Rick war zuvor Widerstandskämpfer im spanischen Bürgerkrieg und antikolonialer Waffenhändler für Äthiopien im Kampf gegen Italien.

Der Spielfilm ‚Casablanca’ ist historisch verortet in der nordmarokkanischen Hafenstadt Tanger als Transitzone zwischen (Nazi-)Europa, den noch nicht besetzten Teilen Portugals und den USA als Fluchtpunkt für europäische MigrantInnen. Nach dem Erfolg des Hollywood-Remakes ‚Algiers’ klang den Werbestrategen der Warner-Studios der Filmtitel ‚Casablanca’ attraktiver als ‚Tanger’.

Auf der Filmklappe der vom Staat kontrollierten Kriegsproduktion steht noch ‚Casa Blanca’, also ‚Weißes Haus’ – eine Verkopplung der hell gestrichenen Hausfassaden in Nordafrika mit dem US-Regierungsitz in Washington. Letztlich ist der Film – bis auf wenige Außenaufnahmen auf einem Luftwaffenstützpunkt – in den Warner-Studios in Los Angeles gedreht worden. Die Vorbild gebende Stadt Casablanca heißt seit ihrer Entkolonialisierung in Wirklichkeit Dar-el-Beida. ‚Casablanca’ ist somit eine vielfache Projektion – der Film erinnert daran, daß der Zweite Weltkrieg nicht zuletzt in der kolonisierten Welt stattfand.