Ahmet E. Çakir

Am ersten Tag meines Lebens in Berlin, dem 1. Oktober 1963, ging ich auf Wanderschaft im Tiergarten. Mir gingen die Augen auf, als ich ein fremdartiges Gebäude entdeckte. In den darauf folgenden Monaten suchte ich nach Möglichkeiten, auf das wunderschön geschwungene Dach zu kommen. Als der Schnee im folgenden Frühjahr schmolz, kletterte ich darauf und ließ mich fotografieren.

Ahmet E. Çakir, Februar 1964 | Am Dach der Kongresshalle | © Ahmet E. Çakir

Ahmet E. Çakir, Februar 1964 | Am Dach der Kongresshalle | © Ahmet E. Çakir

Die Flecken, die auf den Bildern zu sehen sind, fielen mir erst wieder ein, als ich am 21. Mai [1980] in Wien für eine Vorbereitung eines Kongresses eintraf, der in dem Gebäude stattfinden sollte. Die Abendzeitung im Hotelfoyer zeigte in Großaufnahme das eingestürzte Dach. Ich rief sofort meine Frau an, die an diesem Tag zur Kongresshalle fahren wollte, um einen Vertrag für einen Kongress auszuhandeln. Zu unserem großen Glück hatte sich das Unglück vor dem Gesprächstermin ereignet.

„Das Datensichtgerät als Arbeitsmittel“ | Tagungsband zum Kongress am 27./28. September 1979 in der „Halle“, veranstaltet von Ahmet E. Çakir | © Ahmet E. Çakir

„Das Datensichtgerät als Arbeitsmittel“ | Tagungsband zum Kongress am 27./28. September 1979 in der „Halle“, veranstaltet von Ahmet E. Çakir | © Ahmet E. Çakir

Abends beim Heurigen überraschte ich die anderen Teilnehmer der Vorbereitungsrunde mit der Bemerkung, den Kongress könnten wir unter freiem Himmel abhalten, weil das Dach der Kongresshalle eingestürzt sei. Herzliches Gelächter für einen nicht allzu originellen Witz. Die Gelächter hörten schlagartig auf, als ich die Zeitung zückte.

Ich denke heute noch an die Bilder, die mir die Gefahr signalisiert haben, die Jahrzehnte danach meiner Frau hätten zum Verhängnis werden können. Nicht nur wir hatten Glück im Unglück, sondern (fast) ganz Berlin.

Dr. Ahmet E. Çakir, Februar 2007

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