Closing Weekend Tirailleurs: Von Kanonenfutter zu Avantgarde – Die vergessenen Soldat*innen, die Europa befreit haben
21.5.2026
Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) veranstaltet vom 12. bis 14. Juni ein umfangreiches Programm zum Abschluss des Ausstellungs- und Forschungsprojekts Tirailleurs. Von Kanonenfutter zu Avantgarde – Die vergessenen Soldat*innen, die Europa befreit haben. Eröffnet wird das Wochenende von Aria Dean mit der Europa-Premiere ihrer Performance The Color Scheme, präsentiert von der Hartwig Art Foundation. Es folgen Keynotes von George Njung und Anette Hoffmann, Performances von Matilda TheeGreat und Slavs and Tatars sowie Artist Talks, Gespräche und Listening Sessions mit Abrie Fourie, Samia Chabani, Nischal Khadka und Mohamed-Ali Ltaief und zahlreiche weitere Veranstaltungen.
Der kürzlich veröffentlichte Tirailleurs Reader enthält Beiträge von über zwanzig internationalen Autor*innen, Künstler*innen und Forscher*innen. Er vertieft die Forschungsarbeit der Ausstellung zu den Geschichten und Hinterlassenschaften von kolonialer Wehrpflicht, Krieg und europäischem Nachkriegsgedächtnis und macht sie über die Dauer der Ausstellung hinaus zugänglich.
Mehr Informationen: hkw.de/tirailleurs
Pressefotos unter: hkw.de/pressefotos
Aria Dean: The Color Scheme
Performance präsentiert von Hartwig Art Foundation
Fr., 12. Juni, 20:00
Tickets ab sofort auf hkw.de/tickets
Performance 10€ / ermäßigt 5€
Die Performance The Color Scheme der Künstlerin und Autorin Aria Dean spielt kurz nach dem Ersten Weltkrieg im Berliner Tiergarten und stellt einen Dialog zwischen zwei afroamerikanischen Exilanten – dem Dichter und dem Philosophen – dar, wobei ihr Treffen im Park zu einer umfassenderen Reflexion über die Beziehung zwischen der Ästhetik der Schwarzen Avantgarde und den aufkeimenden politischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts wird.
Nur wenige Schritte vom heutigen HKW entfernt bieten die historischen Statuen von Kant und Goethe Dean die Gelegenheit, nationalistische und imperiale Denkmäler kritisch zu hinterfragen, und dienen als Kulisse für das Date der Figuren. Angelehnt an eine tatsächliche Begegnung zwischen dem Philosophen Alain Locke und dem Dichter Claude McKay verzichtet Dean auf eine Heroisierung, indem sie ihre Figuren namenlos lässt und sie als Mittel einsetzt, um einen Konflikt zwischen politischen und ästhetischen Perspektiven zu untersuchen. Ihre Meinungsverschiedenheiten – über Nationalismus, die Rolle der Kunst und die politischen und ökonomischen Veränderungen, die nötig sind, damit das Leben lebenswert wird – stehen im Kontrast zum monumentalen historischen Anspruch bei der Gestaltung des Tiergartens. In den 1920er Jahren diente der Park als Kulisse für preußische imperialistische Narrative – und war zugleich ein zentraler Treffpunkt für Berlins sexuell vielfältige Szene. Die Spannungen in der Geschichte werden durch die Darstellung der Siegesallee noch verstärkt – jenem von Kaiser Wilhelm II. angelegten Boulevard, der mit monarchistischen Skulpturen geschmückt war, später von den Nazis verlegt wurde, um Platz für große Militärparaden zu schaffen, und schließlich nach dem Krieg vollständig eingeebnet wurde. Dean hat die verbliebenen, zerbrochenen Statuen, die sich derzeit in der Zitadelle Spandau befinden, per 3D-Scan erfasst, damit Produktionsdesigner Filip Kostic den Park im Zustand des Jahres 1923 digital rekonstruieren konnte.
Begleitet von einer Komposition von Evan Zierk mit Intonarumori – den experimentellen Geräuschmaschinen, die der italienische Futurist Luigi Russolo erfunden hat – entsteht ein theatralischer Raum, in dem Geschichte, Form und Spekulation aufeinandertreffen. Die Theaterbühne dient gleichzeitig als Filmkulisse: Die Schauspieler*innen werden in Echtzeit in der virtuellen Nachbildung des Tiergartens erfasst, und diese Aufnahmen werden zugleich live auf die Bühne projiziert. Dadurch wird die Gegenwart in einen historischen Rahmen eingebettet, in dem sich die „Wahrheit“ der Begegnung als projiziertes Bild offenbart. Weit entfernt von einer makellosen Darstellung sprengt The Color Scheme die Trümmer der Geschichte, die das Hier und Jetzt überfluten.
Das von der Hartwig Art Foundation und Performa in Auftrag gegebene Werk feiert seine Premiere im europäischen Kontext in der Nähe des tatsächlichen Schauplatzes der Handlung, der historischen Siegesallee, und wird im Rahmen des Abschlusswochenendes der Ausstellung Tirailleurs: Von Kanonenfutter zu Avantgarde – Die vergessenen Soldat*innen, die Europa befreit haben im HKW präsentiert.
Akkreditierung unter: presse@hkw.de
Pressefotos unter: hkw.de/pressefotos
Mehr Informationen: hkw.de/AriaDean
Programm
Eintritt frei, sofern nicht anders angegeben
Tirailleurs: Von Kanonenfutter zu Avantgarde – Die vergessenen Soldat*innen, die Europa befreit haben
Ausstellungs- und Forschungsprojekt
bis 14. Juni
Mi.–Mo. 12:00–19:00
8/6€, an Montagen und am Finissage-Wochenende Eintritt frei
Fr., 12.6.
12:00–19:00
Wùn Ná Kre
AI (Ancestral Immediacies) × Tirailleurs
Ausstellung
15:00–18:00
Kunstgespräche
Mit Daniela Fernández Rodríguez
Auf Englisch/Spanisch
20:00
Aria Dean: The Color Scheme
Performance
10/5€
Sa., 13.6.
12:00–19:00
Wùn Ná Kre
AI (Ancestral Immediacies) × Tirailleurs
Ausstellung
13:00
Cornwallis Cloth | Cabascabo
Filme
Walk-in-Kino
14:00–15:00
Durch die Ausstellung mit... Paz Guevara und Samia Chabani (Ancrages)
Fokus auf thematische Resonanzen
Auf Englisch
15:00
Indochine. Sur les traces d'une mère (Indochina. Auf den Spuren einer Mutter)
Film
Walk-in-Kino
15:00–16:00
Where the Tirailleurs’ Stories Meet
Mit Samia Chabani (Ancrages, Marseille), moderiert von Paz Guevara und Chang Qu
Auf Englisch
15:00–18:00
Kunstgespräche
Mit Vivien Anderson
Auf Deutsch/Englisch
16:30–18:00
Gewaltsame Begegnungen: Überlegungen zu Kriegserfahrungen und Geschlecht
George Njung, Einführung durch Qu Chang
Keynote
Auf Englisch
17:00
Indigènes (Tage des Ruhms)
Film
Walk-in-Kino
18:00–19:00
Mesdames Tirailleurs
Mit Matilda TheeGreat, Einführung durch Dzekashu MacViban
Poetry Performance
19:00–20:00
I Utter Other (2014-)
Slavs and Tatars
Lecture Performance
Auf Englisch
So., 14.6.
12:00–19:00
Kinderbetreuung
Treffpunkt: Counter im Sylvia Wynter Foyer
12:00–13:00
Durch die Ausstellung mit… Paz Guevara und Prof. Dr. Bonaventure Soh Bejeng Ndikung
Auf Englisch
12:00–19:00
Wùn Ná Kre
AI (Ancestral Immediacies) × Tirailleurs
Ausstellung
13:00
Wings of Takasago Giyutai
Film
Walk-in-Kino
13:00–14:00
Artist Talk: How to Document the Geotrauma of War?
Mit Abrie Fourie, moderiert von Eric Otieno Sumba
Auf Englisch
14:00–15:30
Knowing by Ear: Den akustischen Spuren der Tirailleurs in Berlin lauschen
Anette Hoffmann
Keynote Lecture
Auf Englisch
15:00
Emitaï
Film
Walk-in-Kino
15:00–17:00
Kinderdisko
Special mit Kinder-Rave
15:30–17:00
Where the Tirailleurs’ Stories are Heard
Mit Nischal Khadka und Mohamed-Ali Ltaief
Listening Sessions
Auf Englisch
17:00
J'ai tant aimé (Ich habe so sehr geliebt)
Film
Walk-in-Kino
17:00–19:00
Musikstation: Die Welt gehört uns allen … Steht auf … Hört zu, hört genau hin
Playlist
Tirailleurs Reader
Veröffentlicht von HKW und Archive Books
Erhältlich ab sofort im Buchhandel, im HKW-Shop und im Webshop
Der Tirailleurs Reader zeichnet die Geschichte der sogenannten Tirailleurs nach: Truppen, die seit dem späten 19. Jahrhundert aus den französischen Kolonien rekrutiert wurden, um in den Kriegen Europas zu kämpfen. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Niederlage der Nazis verdrängte die blanchiment-Kampagne (dt. Weißwaschen) der Regierung Charles de Gaulles die Geschichten dieser Soldat*innen an den äußersten Rand der europäischen Nachkriegsgeschichte. Der Tirailleurs Reader erweitert den umstrittenen Begriff über seine spezifische Verwendung im französischen Kolonialkontext hinaus und untersucht die lange Geschichte der Rekrutierung von Soldat*innen im Ausland, oft in den Kolonien für Kriege in fernen Ländern als ein historisches und aktuelles sozialpolitisches Phänomen. Er beleuchtet ihr Erbe vor dem Hintergrund der aktuellen Neubewertung bisher unumstößlicher Narrative über die Nachkriegszeit.
Mit Beiträgen von: Jonathan Ali, Ṣadaq Berreshīd, Léon-Gontran Damas, Bakary Diallo, Pierrette Herzberger-Fofana, Mounir Hentati, Britta Lange, Boniface Mongo-Mboussa, Alia Mossallam, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Yvonne Adhiambo Owuor, Olga Schubert, Lamine Senghor, Léopold Sédar Senghor, Slavs and Tatars, Matthew J. Smith, Eric Otieno Sumba, Can Sungu, Vanessa E. Thompson, Chương-Đài Võ, Salah Yousif
Informationen
Verlag: Haus der Kulturen der Welt (HKW) und Archive Books, Berlin, 2026
Sprachen: deutsche und englische Ausgabe
circa 232 Seiten, Softcover, 40 Abbildungen
Preis: 21€
Partner
Tirailleurs ist Teil von heimaten, gefördert durch Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
Gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Mit Unterstützung der Calouste Gulbenkian Foundation - Delegation in Frankreich, zur Förderung der portugiesischen Kunstszene in europäischen Institutionen. Mit großzügiger Unterstützung der Tanoto Art Foundation (TAF).
The Color Scheme wird von der Hartwig Art Foundation im Haus der Kulturen der Welt präsentiert. Co-commissioned von Performa und der Hartwig Art Foundation für Performa 2025.
Medienpartner: Monopol Magazin, tipBerlin
Informationen zum Besuch
Öffnungszeiten
Mi.–Mo. 12:00–19:00
Montags und an ausgewählten Sonntagen freier Eintritt.
Längere Öffnungszeiten an Veranstaltungstagen.
Aktuelle Informationen zu Besuch und Zugänglichkeit.
Kinderbetreuung
Das HKW bietet zu vielen Events kostenlose Kinderbetreuungsprogramme an. Weitere Informationen auf hkw.de.
Webshop
Im HKW-Webshop gibt es Veranstaltungstickets, Geschenk-Gutscheine, Publikationen, Merchandise und weitere Produkte.
Restaurant
Das Restaurant Weltwirtschaft ist täglich ab 12:00 geöffnet.
Kontakt
Maxie Fischer
Leitung Presse und Kommunikation
Haus der Kulturen der Welt (HKW)
John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin
T: + 49 (0) 30 397 87 413
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