Yassine Balbziouis Arbeit ist geprägt von seinem Interesse an sozialer Realität, Kunst im öffentlichen Raum und Regionalgeschichte, realisiert in verschiedenen Ausdrucksmitteln: Malerei, Performances, Wandteppiche und Installationen. In den 1990er Jahren studierte er an der Kunsthochschule in Casablanca, während seines anschließenden Studiums der Konzeptkunst in Bordeaux begegnete er ehemaligen Tirailleurs. Die Zeugnisse ihres Lebens und ihre – oft vergeblichen – Forderungen nach Anerkennung und Reparationen hatten einen nachhaltigen Einfluss auf seine Arbeit. Balbziouis charakteristisch große Wandmalereien im öffentlichen Raum transportieren Geschichten der Emanzipation. Die kraftvolle Pinselführung, geprägt von seiner performativen Praxis, schafft eine ausdrucksstarke Figuration, während die kompositorische Struktur an theatralische Kulissen erinnert. Ein wiederkehrendes Motiv in seinen Gemälden ist die Maske – eine Strategie der Undurchsichtigkeit, die Identitäten und psychologische Zustände verbirgt und so das Publikum ermuntert, die Figuren selbst zu interpretieren und sich mit den gezeigten Symbolen auseinanderzusetzen. Für Tirailleurs hat Balbzioui ein großes Wandbild an der Balustrade der HKW-Fassade geschaffen, das Besucher*innen und Passant*innen dazu einlädt, sich anhand der Lebenswege der Tirailleurs mit persönlicher und kollektiver Erinnerung auseinanderzusetzen. Balbziouis Wandbilder tragen keine spezifische Bedeutung, sondern verstehen sich als Vorschlag, als offene Gestalt, die sich in einer kollektiven Erfahrung konkretisiert.

In Auftrag gegeben vom Haus der Kulturen der Welt (HKW), produziert von Yassine Balbzioui und HKW, 2026

Werk in der Ausstellung: Golden Tree for Fake Hope (2026), Farbe auf Leinwand, 60 m. Courtesy Yassine Balbzioui