Tuấn Andrew Nguyễn

Tuấn Andrew Nguyễn, Because No One Living Will Listen / Người Sống Chẳng Ai Nghe (2023), Videostill. Courtesy Tuấn Andrew Nguyễn und James Cohan, New York
Die Arbeiten von Tuấn Andrew Nguyễn setzen sich mit der modernen Geschichte Vietnams und dem komplexen Erbe kolonialer Gewalt auseinander. Sie stützen sich auf historische Archive, die mit der Verletzlichkeit und Hartnäckigkeit persönlicher Erinnerungen verflochten werden. In Because No One Living Will Listen / Người Sống Chẳng Ai Nghe (2023) durchwühlt eine marokkanisch-vietnamesische Frau namens Habiba städtische Müllhalden, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Auf einer riesigen Wiese sucht sie nach dem verschwundenen Grab ihres Vaters, um ein Zuhause für sich selbst und seine Seele unter dem Marokko-Tor in Hanoi zu finden. In einem Brief an ihn erzählt Habiba von den Härten ihres Lebens und ihrer Ehe, von den Mühen des Erinnerns und der Suche nach einem Gefühl der Zugehörigkeit. Habibas Notlage schafft eine subtile Parallele zu der komplexen Identität ihres Vaters als Tirailleur. Er galt weder als Franzose noch als Vietnamese, und weder seine Familie noch sein Körper konnten nach Hause zurückkehren. Unter dem Titel Letters from the Other Side (2023) bildet ein Paar bestickter Wandteppiche eine Propagandabroschüre in französischer und arabischer Sprache nach, die von der Việt Minh an nordafrikanische Soldat*innen verteilt wurde und zu Frieden und Freundschaft zwischen den kolonialisierten Vietnames*innen und Marokkaner*innen aufrief. In Our Empty Uniforms Marched To The Echoes Of An Invisible (seit 2020) stehen Archivdokumente im Vordergrund. Zwei historische Filmaufnahmen der Tirailleurs Sénégalais und der Tirailleurs Indochinois werden einander gegenübergestellt, um Konfrontation wie Vertrautheit zwischen den afrikanischen und südostasiatischen Truppen unter französischer Kolonialherrschaft zu veranschaulichen.
Werke in der Ausstellung: Letters From the Other Side (2023), zweiteiliger Wandbehang mit Inhalten aus einem Propaganda-Flugblatt aus dem Ersten Indochinakrieg, handbestickt auf Baumwollkhakistoff, 134,6 × 149 × 14 cm; Because No One Living Will Listen / Người Sống Chẳng Ai Nghe (2023), 2-Kanal-Videoinstallation, Farbe, Ton, 11' 30", Vietnamesisch/Englisch mit engl./dt. UT. Produziert von James Cohan, New York, The Vega Foundation und Specter Studios; Our Empty Uniforms Marched To The Echoes Of An Invisible (seit 2020), 2-Kanal-Videoinstallation, Farbe, Ton, 7' 08". Musik von Zach Sch unter Verwendung von Tonmaterial aus dem Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin. Alle Courtesy Tuấn Andrew Nguyễn und James Cohan, New York