Pascale Marthine Tayou verwandelt alltägliche Materialien in poetische Reflexionen über die wechselhaften Bedingungen globaler Zugehörigkeit: Wer hat das Recht auf Bewegungsfreiheit, wer wird als Teil der (Kunst-) Gemeinschaft anerkannt, wessen Stimme wird gehört? In seiner Suche nach Antworten auf diese Fragen kehrt er immer wieder zu alltäglichen Gegenständen als Trägern kollektiver Erinnerung zurück und macht das Vertraute zu einem Katalysator, um die sozialen und politischen Strukturen der zeitgenössischen Kunst zu hinterfragen. Im Rahmen von Tirailleurs präsentiert Tayou eine neue ortsspezifische Formation von Flaggen, die mit bunten Pflastersteinen bedruckt sind. Gestein, eines der allgegenwärtigsten Materialien der Erde, wird hier zum Medium und zur transformativen Metapher. Das Werk erinnert an die Funktion des Steins als improvisierte Waffe, die im Kampf um Freiheit, um die Dekolonialisierung des Raums und der Seele eingesetzt wurde – Werkzeug des Aufstandes, wenn andere Mittel nicht zur Verfügung stehen, und damit Symbol einer Form des Widerstands, die aus dem Mangel entsteht. Bei Tayou sind die Steine allerdings abgelegt, zu einem Haufen aufgeschichtet, was darauf verweist, wie diese Instrumente des Konflikts ein kollektives Konstrukt der Zurückhaltung und Reflexion werden können. Auf Fahnen gedruckt, werden die Pflastersteine zu Emblemen des Friedens, errungen von denen, die ihn sich im Kampf verdient haben. Die verschiedenen Farben und unregelmäßigen Größen spiegeln die Vielfalt der Geschichten der Tirailleurs wider, während das Werk selbst die Idee des Denkmals gegen den Strich bürstet. Es könnte auch einen Waldweg oder einen zeremoniellen Durchgang am Eingang des HKW darstellen. 

In Auftrag gegeben vom Haus der Kulturen der Welt (HKW), produziert von Pascale Marthine Tayou und HKW, 2026

Werk in der Ausstellung: Colorful Stones (2025–2026), Serie aus 16 Flaggen, Maße variabel, ca. 235–500 × 150 cm. Courtesy Pascale Marthine Tayou und Galleria Continua