Mario Pfeifers Arbeiten entspringen spezifischen sozialen, politischen und kulturellen Situationen. Seine Film und Videoinstallationen, Fotografien und textbasierten Arbeiten entstanden unter anderem in Mumbai, Kalifornien, der Westsahara und Deutschland. An all diesen Orten bildeten regionale Gegebenheiten den Ausgangspunkt, um übergeordnete Strukturen von Macht, Rassismus und Gewalt zu analysieren. Pfeifer verweigert sich konventionellen Dokumentarformaten. Er konstruiert Situationen, die dort beginnen, wo rechtliche, moralische oder institutionelle Rahmenbedingungen versagen, und untersucht, wie Beweise, Verantwortlichkeit und narrative Autorität produziert und legitimiert werden. Dazu arbeitet er mit found footage, Zeug*innenaussagen, der Nachstellung von Ereignissen und Archiv- oder forensischem Material – Widersprüche und ungelöste Fragen bleiben bewusst sichtbar. In Again / Noch einmal (2018) inszenierte er ein Zivilgericht, um einen rassistischen Übergriff in Ostdeutschland neu zu verhandeln und aufzudecken, wie Urteile über den Gerichtssaal hinaus sozial (re)produziert werden. In Proof of the Unthinkable (2022) und Zelle 5 – 800° Celsius: Act I - Testimony of a Lighter (2021) arbeitete er mit Aktivist*innen und Forensiker*innen zusammen, um Beweise zum Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer deutschen Polizeistation zu rekonstruieren und sich mit andauernder institutioneller Gewalt auseinanderzusetzen, für die niemand haftbar gemacht wird. Für Tirailleurs befasst sich Pfeifer in einer neuen Videoarbeit mit der aktuellen Rekrutierung von Soldat*innen und den Asymmetrien des Krieges. Er verwendet Filmmaterial aus aktuellen Rekrutierungsprozessen in verschiedenen Regionen und Interviews mit Rekruten aus Kamerun, die angeworben werden, um in der russischen Armee zu kämpfen. Dabei geht er den Einberufungsverfahren und Vertragsbedingungen auf den Grund, mit denen Menschen mobilisiert werden in Konflikten zu kämpfen, die nicht die ihren sind. Mit der Verknüpfung von aktuellen Zeug*innenaussagen und historischen Erfahrungen stellt Pfeifer den Krieg als eine dauerhafte Struktur dar: Zwang, Rassifizierung und Austauschbarkeit setzen sich über Generationen hinweg fort.

In Auftrag gegeben vom Haus der Kulturen der Welt (HKW), produziert von Mario Pfeifer und HKW, 2026

Werk in der Ausstellung: wutame | caché (2026), HD-Video, Farbe & Schwarzweiß, Stereo 2.0, ca. 10–15' , Französisch/Russisch mit engl./dt. UT. Mit SAVVY Kwata (Recherche), Nana Mbatchou Ricardo (Produktionsleitung), Patrick Same Edjidji (Drohnenpilot), Feelingz Records (Kameraverleih), blackboardfilms (Postproduktion). Courtesy Mario Pfeifer und KOW, unterstützt von SAVVY Kwata Goethe-Institut Kamerun