Kader Attia

Kader Attia, ohne Titel (Totem) (2013/2026). © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Courtesy Kader Attia und Galerie Nagel Draxler
Kader Attias interdisziplinäre und forschungsbasierte Praxis setzt sich mit den langfristigen Folgen kolonialer Gewalt sowie den politischen, sozialen und psychischen Dimensionen von „Reparatur“ auseinander. Für ihn handelt es sich um ein grundlegendes Prinzip: Jedes System, jede soziale Institution oder kulturelle Tradition lässt sich als ein unendlicher Reparaturprozess verstehen. Attia erforscht, wie Gesellschaften mit Verletzungen, Traumata und Brüchen umgehen und welche Perspektiven sie dabei in Bezug auf ihre eigene Geschichte einnehmen – insbesondere im Hinblick auf Erfahrungen von Entbehrung, Unterdrückung, Gewalt und Verlust. Die 2-Kanal-Projektion The Debt (2013) basiert auf seiner Archivrecherche über die Tirailleurs, für die er historische Zeitungen, Fotografien, Texte und Objekte zusammentrug. Ausgangspunkt ist die Frage, welches Bild der Begriff evoziert und wie die Nachverfolgung rassistischer Kontinuitäten ausgehend von der Erfindung des Tirailleurs dabei helfen kann, heutige Formen von Rassismus in migrantisch geprägten Gesellschaften zu verstehen und ihnen zu begegnen. Attia zeichnet dazu die Genealogie der Erfindung des Tirailleur als Objekt weißer patriarchaler und kolonialer Fantasie nach. Anhand mehrerer Skulpturen, Bilder und Objekte zeigt Attia, wie koloniale Bilder durch Wiederholung normalisiert und verinnerlicht werden, beispielsweise durch die Verwendung der Werbefigur des Schokoladengetränks Banania – ein senegalesischer Tirailleur mit dem rassistischen Slogan „y'a bon“. In Anlehnung an Frantz Fanon macht die Arbeit sichtbar, wie Sprache, Werbung und visuelle Kultur zur Demütigung und Entmenschlichung beitragen. Die Holzbüste Untitled (Janus) (2026) verkörpert die Dialektik zwischen Kolonialmacht und Kolonisierten.
In Auftrag gegeben vom Haus der Kulturen der Welt (HKW), produziert von Kader Attia und HKW, 2026
Werke in der Ausstellung: Untitled (Janus) (2020/2026), Holzbüste, Stahlhalterung, 80 × 50 × 90 cm, Halterung: 160 × 50 × 50 cm; The Debt (2013), digitale 2-Kanal-Diaprojektion, 9' 33"; Untitled (Totem) (2013/2026), Totem aus Banania Metalldosen, Gipsskulptur, 150 × 25 × 25 cm; Fetishization (2026), Bronzeskulptur inspiriert vom Medallion eines Tirailleurs, 40 × 30 × 10 cm; Untitled (2012/2026), Serie aus 20 gerahmten Drucken, Maße variabel; Untitled (2013/2026), 7 mit Metalldraht bestickte Bücher, Maße variabel. Alle Courtesy Kader Attia und Galerie Nagel Draxler Berlin, Köln, Meseberg