Josèfa Ntjam schafft spekulative, immersive Welten, die vielfältige Gestalten annehmen. Der Schwerpunkt der letzten Jahre liegt auf kaleidoskopischen Fotomontagen und Landschaften, Ergebnis einer Zusammenarbeit von Mensch und Künstlicher Intelligenz. Mit ihrer Mischung aus historischem Material, biowissenschaftlicher found footage und Internet-Content hat sich Ntjam an der Spitze zeitgenössischer KI-Kunst etabliert. Ihre Werke – häufig verwurzelt in den Tiefen ihrer Familienarchive – setzen bei der Neugestaltung einer kolonialen Vergangenheit an, greifen weniger bekannte weibliche Geschichtsschreibungen auf, um eine spekulative Zukunft der kamerunischen Freiheitskämpfer*innen zu entwerfen. Ihre Auseinandersetzung mit den Maquisardes, den Kämpferinnen der französischen Résistance, den Tirailleurs und anderen durch die Kolonialherrschaft entstandenen militärischen Figuren geht über die begrenzten Definitionen dieser Menschen als „Vertragsknechte“ oder unpolitische Handlanger*innen hinaus. In Dislocations (2022) folgen wir einer solchen Figur in die Tiefen des Ozeans oder des Kosmos bis zu einer Höhle, die an die Zufluchtsorte der kommunistischen Widerstandskämpfer*innen in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs erinnert – Kommunist*innen, die in späteren Jahren den Kampf für die Befreiung Kameruns unterstützen sollten. In der Höhle ist die Figur von Tirailleurs und Maquisardes umgeben, die sie als Freiheitskämpfer*innen erkennt. Dann löst sie sich auf und vereint sich mit diesen historischen Figuren im Kosmos afrikanischer Zukunftsfähigkeit. 

Zwei Drucke in der Ausstellung, stellen eine Verbindung zwischen historisch und zeitgenössisch rassifizierten Körpern her und verorten diese in einer Genealogie mit den Maquisardes, den Kämpferinnen der kamerunischen Befreiungsbewegung. Die fließende Auflösung von Körpern, ein zentrales Motiv des Queerfeminismus, ist auch in Ntjams Film Dislocations präsent, der in der Mrinalini Mukherjee Hall zu sehen ist.

ANKL produziert von Josèfa Ntjam und Haus der Kulturen der Welt (HKW), 2026

Werke in der Ausstellung: Dislocations (2022), 1-Kanal-Video, Farbe, Ton, 18' , Französisch mit engl./dt. UT. In Zusammenarbeit mit Sean Hart und Nicolas Pirus, koproduziert von Aquatic Invasion Production, Palais de Tokyo, Paris, und Cincinnati Contemporary Arts Center, Cincinnati. Courtesy Josèfa Ntjam und Nicoletti Gallery; Guardian of the Ancestor’s Echo (2025), Fotomontage, Sublimationsdruck auf Aluminium und Metallrahmen, 120 × 180 × 5 cm; ANKL (2026), Fotomontage gedruckt auf Plexiglas, Durchmesser 165 cm. Beide Courtesy Josèfa Ntjam