Hana Yoo

Hana Yoo, I Drank a Magic Potion, but I Didn’t Die: Kim Bok-Dong (2026), Videostill. © VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Courtesy Hana Yoo
In ihren Film- und Multimedia-Installationen untersucht Hana Yoo die kollektive Angst und die transzendentalen Erfahrungen, die einsetzen, wenn Perspektiven sich verschieben. Frauen, Tiere und Naturdarstellungen erscheinen bei ihr als Protagonist*innen, die historisch objektiviert, ausgebeutet und kontrolliert werden. Ihre Präsenz offenbart die in Technologien, Institutionen und kulturellen Stereotypen verankerten Machtstrukturen. Das ermöglicht es Yoo, die Instrumente aufzudecken, mit denen Unterdrückung aufrechterhalten wird. Der Titel ihrer Arbeit, A Cruelty Special to Our Species (2018), ist dem gleichnamigen Gedichtband der südkoreanischen Dichterin Emily Jungmin Yoon entlehnt. Yoon thematisiert die sexuelle Versklavung koreanischer „Trostfrauen“ durch Japan während des Zweiten Weltkriegs, gibt den Überlebenden eine Stimme und betont die anhaltenden Auswirkungen ihrer Erfahrungen. Yoos Film I Came for the Flowers (2025) würdigt diese Frauen in ähnlicher Weise, indem er menschliche und nichtmenschliche Erfahrungen verbindet. Dazu verwendet die Künstlerin im Rahmen einer Studie angefertigte Aufnahmen, die „tonische Immobilität“ zeigen. Diese Überlebensstrategie des Totstellens wird von europäischen Froschweibchen angewendet, um die Paarung zu vermeiden. Ihre Passivität wird durch traumartige Sequenzen, Aufnahmen natürlicher Umgebungen und Lyrik neu interpretiert. So können sich die Geschichten dieser Frauen – und die generationenübergreifenden Nachwirkungen von und Erinnerungen an geschlechtsspezifische Gewalt – über Zeiten und emotional mehrdeutige Räume hinweg entfalten. Ihr zweiter Film, I Drank a Magic Potion, but I Didn‘t Die: Kim Bok-Dong (2026), tritt in einen Dialog mit dem Archiv des Museums für Krieg und Frauenrechte in Seoul und stellt die Zeitzeug*innenschaft von Kim Bok-Dong als eine Form der generationsübergreifenden Fürsorge und Verantwortung in den Vordergrund. Yoo lädt uns ein, über die Gewalt nachzudenken, die die sogenannten „Trost-frauen“ erlitten haben, und sie stattdessen als „Großmütter“ zu betrachten, wodurch ein Raum für neue Vokabularien und alternative Formen der Zuneigung und Empathie entsteht.
I Drank a Magic Potion in Auftrag gegeben vom Haus der Kulturen der Welt (HKW), produziert von Hana Yoo und HKW, 2026
Werke in der Ausstellung: I Came for the Flowers (2025), 1-Kanal-Video, Ton, Farbe, 9' 15", Koreanisch mit engl./dt. UT; I Drank a Magic Potion, but I Didn’t Die: Kim Bok-Dong (2026), 1-Kanal-Video, Ton, Farbe, 7', Koreanisch mit engl. /dt. UT. Alle Courtesy Hana Yoo