Als Kind angolanischer und kapverdischer Eltern hat Francisco Vidal sein Repertoire rund um die diasporische Erfahrung vermischter Realitäten, fragmentierter Identitäten und kultureller Austauschprozesse aufgebaut. Seine großformatigen Gemälde offenbaren eine lebendige Mischung aus Einflüssen wie Kubismus, afrikanische Wachsdrucktechniken und Hip-Hop- und Graffitikultur der 1980er Jahre. Gleichzeitig verweisen sie auf die Geschichte und Kontinuitäten des Kolonialismus und diejenigen, die ihn bekämpft haben. Vidal, der seine Praxis in den Dienst der Befreiungsbewegungen stellt, bedient sich häufig Methoden aus der Straßenkultur seiner verschiedenen Wohnorte Luanda und den afroamerikanischen Communitys in New York und Lissabon. Die Arbeiten erstrecken sich über Wände und Böden und sperren sich dagegen, in traditionelle Ausstellungsarchitekturen eingepasst zu werden. Oftmals basieren sie auf dem, was der Künstler als „utopische Pädagogik“ bezeichnet. Für Tirailleurs greift Vidal auf seine Praxis der Kunst im öffentlichen Raum zurück. Sein neues Wandbild erinnert an Gedenkplakate und politische Graffiti. Die Auftragsarbeit zeigt 48 Menschen, die sich für Frieden und Freiheit in Angola engagiert haben. Die Porträts erstrecken sich über verschiedene Epochen bis zurück zu Königin Nzinga von Ndongo und Matamba, die sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts den portugiesischen Invasoren widersetzte und Indigene Truppen in die Schlacht führte. Durch dieses Werk erlebt die Vorstellung der Tirailleurs als Freiheitskämpfer*innen eine erneute Verschiebung. Sie geht über das frankophone Westafrika hinaus und verbindet die dortigen Kämpfe mit den lusofonen Ländern, die immer noch für eine bessere Version von Freiheit kämpfen. 

In Auftrag gegeben vom Haus der Kulturen der Welt (HKW), produziert von Francisco Vidal und HKW, 2025

Werk in der Ausstellung: didactic drawings for a future reading, thoughts about slavery and freedom (2025), 48 Plakate, Tapete, je 62,5 × 50 cm. Courtesy the specials13