Daniel Lind-Ramos ist in erster Linie für seine skulpturalen Assemblagen bekannt. Mithilfe alltäglicher, teils bereits entsorgter Gegenstände – Werkzeuge, Musikinstrumente, Bau- und Naturmaterialien – setzen seine Werke die synkretistische, widerstandsfähige Präsenz von afrikanischer und Taíno-Kultur in der Karibik in Szene. In seiner künstlerischen Praxis bezieht er sich auf die kreativen Ausdrucksformen und überlieferten Glaubensformen und Traditionen seiner Community in der Küstenregion von Loíza, Puerto Rico. So thematisiert er in Werken wie Maria-Maria (2019) – gleichermaßen benannt nach der Jungfrau und dem Hurrikan im Jahr 2017 – deren ökologischen sozioökonomischen Kontext. Und in der Serie Vencedor, 1797 (2017–2020) – das Jahr, in dem Schwarze Puerto-Ricaner*innen zum Widerstand gegen die britische Invasion beitrugen – nimmt er ihre wirkmächtige und doch oftmals unsichtbar gemachte Geschichte in den Fokus. Für Tirailleurs schafft der Künstler ein neues, anti-monumentales Werk zu Ehren der Menschen aus Martinique, Guadeloupe und Französisch-Guayana, die während des Ersten und Zweiten Weltkriegs gekämpft und gearbeitet haben. In Re-inventario de la desmemoria (2026) kontrastiert Lind-Ramos die Bedeutung ihres Beitrags zu Befreiung und Dekolonialisierung dieser Territorien mit den späteren Anstrengungen, ihr Andenken zu bewahren, die mangels öffentlichen Bewusstseins und historischer Aufzeichnungen erforderlich wurden. Die Installation vereint Werkzeuge, Alltagsgegenstände und Symbole, die mit der Arbeit der männlichen und weiblichen Tirailleurs in Verbindung stehen – ob sie zum Krieg gezwungen wurden oder sich freiwillig gemeldet hatten – sowie derer, die sich um die Verwundeten kümmerten, notwendige Vorräte wie Rum, Zucker oder Bananen lieferten oder Ressourcen aus der Region gewannen, um Waffen herzustellen. Jeder Bestandteil des Kunstwerks verstärkt auf poetische Weise die Stimmen der karibischen Tirailleurs mit dem unverwechselbaren Timbre und der Lebendigkeit des kulturellen Widerstands gegen koloniale, imperialistische und rassistische Inszenierungen.

In Auftrag gegeben vom Haus der Kulturen der Welt (HKW), produziert von Daniel Lind-Ramos und HKW, 2026

Werk in der Ausstellung: Re-inventario de la desmemoria (2026), Metallrohr, Kokosnussschale, Holzkisten, kleine Stoffbeutel, Textilien, Holzfass, Kunststoff, Schwesternhaube, Armeetasche, Stiefel, Fernglas, Jutesack, Seil, Kochtopf, Trompete, Macheten, 267 × 244 × 244 cm. Courtesy Daniel Lind-Ramos und The Ranch