Der Salon Nardal, Re-enactments und Re-enchantments
Vorträge Gespräche, performative and poetische Gesten, Filmscreening, Food Offering, Comedy, Konzert
28. & 29. November 2026
In den 1920er und 1930er Jahren schufen Paulette Nardal und ihre Schwester Jeanne „Jane“ in ihrem Apartment in Clamart einen der einflussreichsten Treffpunkte der Zwischenkriegszeit für Schwarze Intellektuelle. Der Salon Nardal war eine Brutstätte für Ideen, Debatten und kulturellen Austausch und legte den Grundstein für die Entstehung der Négritude-Bewegung. Durch die Zusammenkünfte in ihrem Salon und mit der Veröffentlichung der Zeitschrift Revue du Monde Noir (1931–32) trugen die Nardal-Schwestern dazu bei, Paris als intellektuelles Zentrum der Schwarzen Welt zu etablieren. Unter den Gästen waren Schriftsteller*innen, Pädagog*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen wie Suzanne und Aimé Césaire, Léon Damasand, Suzanne Lacascade, René Maran, ihre Schwester Andrée Nardal, Léo Sajous, Léopold Senghor und viele andere.
Der Salon Nardal, Re-enactments und Re-enchantments lässt den Salon als Ort der Präsenz, des kollektiven Denkens und der politischen Vorstellungskraft wiederaufleben. Ausgehend vom Wirken der Nardal-Schwestern im Paris der Zwischenkriegszeit betrachtet das Projekt den Salon als lebendige Praxis. In einer Zeit zunehmender Ablehnung des Pluralismus und schwindender Freiräume für Dissens, wird der Salon zu einer notwendigen Infrastruktur für kollektives Denken. Durch die Verbindung des Pariser Salons mit anderen diasporischen Versammlungsorten wie Shebeens, Grins und Achombo-Häuserns fragt das Projekt, wie kritische, gemeinschaftliche Räume heute als Orte des Widerstands, der Solidarität und der Zukunftsgestaltung erhalten bleiben können. Die im HKW präsentierten Re-enactments und Re-enchantments bedienen sich Literatur, Poesie, Tanz, Performance, Musik und anderer künstlerischen Ausdrucksformen und beleuchten zeitgenössische Formen der Salonpraxis aus Abidjan, Berlin, Dakar, Douala, Paris und weiteren Orten.