Robert Beckford muss seine Teilnahme leider kurzfristig absagen. An seiner Stelle nimmt Joaquín La Habana an der Paneldiskussion teil.

Wenn Religionen aufeinandertreffen, verschwindet selten die eine in der anderen. Häufiger entsteht etwas Drittes: eine Praxis, in der die Heiligen zweier Welten unter einem Dach wohnen, in der ein katholischer Feiertag und das Fest eines Orisha auf denselben Tag fallen, in der die Sprache des einen Glaubens die Geister des anderen ruft. Das Panel Faiths Intertwined widmet sich diesem Phänomen – dem, was man lange abschätzig ‚Synkretismus‘ nannte und was heute als eine der schöpferischsten Kräfte der afrikanischen Diaspora verstanden wird. Wie haben die verschleppten Menschen Westafrikas ihre Kosmologien bewahrt, indem sie sie in die Sprache des Christentums und des Islam kleideten? Was geschah, als Yoruba-Orishas zu katholischen Heiligen wurden, als die Gnawa ihre sub-saharischen Geister in einen islamischen Rahmen einfügten, als aus Verbot und Anpassung neue, eigenständige spirituelle Welten hervorgingen? Chouki El Hamel, Historiker und Autor von Black Morocco. A History of Slavery, Race, and Islam (2014), bringt die Geschichte von Versklavung, Islam und der Entstehung der Gnawa-Identität in Marokko ein. Murah Soares, Babalorixá (spiritueller Führer), spricht aus der gelebten Praxis des Candomblé – jener Tradition, in der die Orishas Bahias bis heute neben den katholischen Heiligen stehen. Robert Beckford, einer der führenden Theologen der afrikanischen Diaspora und vielfach ausgezeichneter Dokumentarfilmer, denkt über Befreiung, Erinnerung und die politische Dimension schwarzer Glaubenspraxis nach. Moderiert von Miriam Camara, fragt das Panel nicht, wie rein eine Tradition ist, sondern wie resilient: nach der Intelligenz und dem Eigensinn, mit denen Menschen unter den Bedingungen von Zwang und Verschleppung ihren Glauben nicht aufgaben, sondern verwandelten.