Montage und rhythmische Fügung von Bildern, Klängen und Geschichten sind kennzeichnend für Theo Eshetus künstlerische Handschrift. Ein Experiment, das zeigt, wie sich das technische Bild im Laufe der Zeit manifestiert, sei es durch Manipulation, Inversion, Fragmentierung, Wiederholung, Spiegelung, Inszenierung oder, wie hier, durch eine spiralförmige Anordnung. Eshetu ist eine Schlüsselfigur der Videokunst. Seine künstlerischen Anfänge führen uns in die 1980er Jahre, als er die Musikszene fotografisch begleitete und mit der Anordnung mehrerer Bildschirme experimentierte. Eshetu stapelte sie zu Wänden, ordnete sie diagonal an oder ließ sie von der Museumsdecke hängen. In diesen Arbeiten zeigt sich sein virtuoser Umgang mit audiovisueller Sprache als Bedeutungssystem und Kulturtechnik. Eshetus Beitrag für die 36. Bienal de São Paulo ist eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Technologie und Kultur, der die Pflanzenwelt zum Ausgangspunkt nimmt. Der Garten erscheint dabei weniger als Ort kontemplativer Einkehr, sondern vielmehr als ein philosophisch gedachter Raum vor dem Eingriff des Menschen. Ein Ort, der das Zusammenleben von Natur, Leben und Menschheit erprobt. In kaleidoskopischen Videosequenzen zeichnen Bilder von Blumen, Pflanzen, Biomen und Ökosystemen Konturen einer Natur der Menschheit. Doch dieser Garten entfaltet sich nicht im Stillen. Klang ist ebenso wichtig wie das Bild. Der Soundtrack, der die Arbeit umspielt, besteht aus einer Komposition poetischer Stimmen wie der von Maya Angelou und anderen Autor*innen, die sich mit dem Potenzial und der Resilienz des Menschen und dem Bewusstsein der Pflanzen auseinandersetzen.

WERK IN DER AUSSTELLUNG:

The Garden – Ode to Courage (2025), Videoinstallation,10 58″. Courtesy Galerie Barbara Thumm. Im Auftrag der Fundação Bienal de São Paulo für die 36. Bienal, adaptiert für das Haus der Kulturen der Welt (HKW)