In seinen Skulpturen und Zeichnungen untersucht Sérgio Soarez die ontologische Komplexität der Yoruba-Kultur und der afrobrasilianischen Religionen Bahias. Westafrikanische Sprachsysteme aus dem Umfeld des Golfs von Guinea verbindet er mit der afrobarocken Bildsprache Bahias, die während der Kolonialzeit entstand. Ornamentale Schnörkel treffen auf Motive der afrikanischen Diaspora und verweisen auf kulturelle Überlagerungen, ohne deren gewaltvolle Geschichte auszublenden. Im Zentrum von Soarez’ künstlerischem Interesse stehen gefundene und umgewidmete Objekte von Schrottplätzen, Flohmärkten oder der Straße. In seinen Assemblagen verbindet er Eisenobjekte, darunter Schlüssel, Messer, Bohrer, Zangen, Werkzeuge, verrostete Waffen, mit solchen aus Holz wie Konsolen, Brettern und dekorativen Elementen. Die materiellen Spuren dieser Gegenstände verweisen auf unterschiedliche Objektgeschichten, Zeiten und Verwendungsweisen. Soarez versteht diese Kombinationen als verdichtete Begegnungen, die an die synkretistischen Ursprünge afrodiasporischer Lebenswelten erinnern. Charakteristisch für viele Arbeiten ist eine reduzierte geometrische Formensprache, die auf Bildrepertoires afrobrasilianischer Religionen zurückgreift. Anspielungen auf spirituelle Waffen, Orakel, Orishas verbinden sich mit Bezügen zu dem Merindilogun, einem Orakel der Yoruba-Tradition. Mit seinen Bezügen auf den ofa, den heiligen Bogen mit Pfeil, der von Ochosi und anderen Orishas und spirituellen Energien des Jeje-Maí als Jagdwaffe dient, ruft der Künstler damit zugleich die damit verbundenen Werte von Präzision, Fokus und strategischer Klugheit auf.

WERKE IN DER AUSSTELLUNG:

12 Cutelo (2024), Holz, Stoffe, Eisenplatte und Instrument, 108 × 45 × 48 cm; Mao nas cadeiras (2011), Holz und Edelstahl, 75 × 17 × 26 cm; Pendulo (2014), Holz und Eisen, 170 × 43 × 57 cm; Sete gotas de lagrimas no oceano (2012), Holz, Nylonseil und Edelstahl, 160 × 160 cm. Alle Courtesy Sergio Soarez