Rebeca Carapiá

Rebeca Carapiá, Installationsansicht von Como criar raízes aéreas (2025), 36. Bienal de São Paulo, Travelling Exhibition Brasília, 2026. Foto: Diego Bresani, Courtesy Fundação Bienal de São Paulo
Rebeca Carapiás’ künstlerische Arbeit widmet sich der Erforschung der Wanderpalme, auch als Paxiuba oder unter dem wissenschaftlichen Namen Socratea exorrhiza bekannt. Der im Amazonasbecken und in Mittelamerika vorkommende Baum besitzt kräftige, ineinander verschlungene Wurzeln, die nicht unter der Erde liegen, sondern auf der Suche nach Wasser und Nährstoffen der Sonne entgegenwachsen. Wurzelwerk, das im Schatten bleibt, verrottet, stirbt ab und wird zum organischen Substrat für neue Sprösslinge. Der sich imposant in die Lüfte verzweigende Baum regt dazu an, über anzestrale Wurzeln und ihren stetigen Wandel nachzudenken. Seine komplexe Geometrie verleiht Resilienz und Beweglichkeit eine Form. Charakteristisch für Carapiás’ künstlerische Praxis ist die Auseinandersetzung mit der Entstehung und Verbreitung von (Bild-)Sprachen. Abstrakte Kompositionen entstehen aus Kupfer, Eisen und Schweißnähten. Stark geschwungene Linien erkunden Wege und Umwege, Synthesen einer Existenz in Bewegung. In ihren Skulpturen zelebriert die Künstlerin die Schritte ihrer Entstehung: von der kollektiv geteilten Produktion bis zur Überwindung technischer und soziohistorischer Hindernisse. Die Werke stellen ihre Ambivalenz aus, sie oszillieren zwischen floralen Ausschweifungen und formaler Diskretion, sie füllen den Raum und streben nach Leichtigkeit inmitten unausweichlicher Gravitation. Zwischen Zeichnung, Skulptur und Installation vermittelt Carapiás’ Kunst eine Zone, in der sich Monument und Filigran treffen. Immer mit der Aufforderung, den vermeintlichen Widerspruch zwischen anzestraler Verwurzelung und Aufschwingen zum Flug zu überwinden.
WERKE IN DER AUSSTELLUNG:
2 Skulpturen aus der Serie Como criar raizes aereas (2025), Stahl, Kohle und Kupfer, Mase variabel. Im Auftrag der Fundação Bienal de São Paulo für die 36. Bienal; Untitled (2026), 23 Zeichnungen, Tinte auf Papier, 59,4 × 42 cm. Alle Courtesy Almeida & Dale