Olu Oguibe

Olu Oguibe, Installationsansicht von Você precisa levar tudo o que pertence aos povos indígenas? (2025), 36. Bienal de São Paulo. Foto: Natt Fejfar, Courtesy Fundação Bienal de São Paulo
Olu Oguibe ist ein interdisziplinärer Künstler und Wissenschaftler, der für seine eindringliche Auseinandersetzung mit Identität, Migration und sozialer Gerechtigkeit bekannt ist. In seinem Schaffen verknüpft er häufig persönliche Erzählungen mit übergeordneten historischen und gesellschaftspolitischen Themen. Anlässlich der 36. Bienal de São Paulo präsentierte Oguibe in drei brasilianischen Städten – São Paulo, Rio de Janeiro und Belém – ein Denkmal, das auf die anhaltenden Ungerechtigkeiten gegenüber Indigenen Gemeinschaften in Brasilien und weltweit aufmerksam macht. Seine weithin sichtbare Präsenz verweist auf die Kämpfe der Indigenen Bevölkerung, insbesondere auf die stetige Aneignung Indigener Gebiete im Zuge von landwirtschaftlicher Nutzung, Abholzung und Bergbau sowie auf die gewaltsame Unterdrückung, der Indigene Aktivist*innen ausgesetzt sind. Die großformatigen Schriftzüge an Gebäudewänden sind schon von weitem im Stadtraum und in der Umgebung sichtbar und stellen die Frage: „Müsst ihr euch alles nehmen, was den Indigenen Menschen gehört?“, jeweils ins Nheengatu, Portugiesische und Englische übersetzt. In Berlin ist die Frage auf Englisch an der Nordfassade des HKW zu lesen, der Spree und dem Bundeskanzleramt zugewandt. Das Projekt verbindet Aktivismus und Dialog, um die anhaltenden Kämpfe Indigener Gemeinschaften zu dokumentieren und öffentlich sichtbar zu machen und so ein breiteres Bewusstsein und Solidarität zu schaffen. Das Denkmal steht beispielhaft für Oguibes Verständnis von Kunst als Mittel gesellschaftlicher Reflexion, des Wandels und der Selbstermächtigung und seine langjährige Auseinandersetzung mit drängenden globalen Fragen.
WERK IN DER AUSSTELLUNG:
Must You Take Everything That Belongs to Indigenous People? (2025), Banner, Mase variabel. Im Auftrag der Fundação Bienal de São Paulo für die 36. Bienal, Adaption in Berlin in Auftrag gegeben vom Haus der Kulturen der Welt (HKW)