Das Unaussprechliche auszusprechen, Zeugnis abzulegen und der Wahrheit ins Auge zu sehen, prägen María Magdalena Campos-Pons’ vierzigjährige Karriere als multidisziplinäre Künstlerin. Ihr Schaffen umfasst eine Vielzahl miteinander verwobener Medien, von Installationen, Performances und fotografischen Arbeiten bis hin zu Gemälden, Skulpturen und Videos, die sich mit Themen wie Rassismus, Geschichte, Erinnerung, Geschlecht, Religion und Spiritualität auseinandersetzen. Viele ihrer Arbeiten beruhen auf Familiengeschichten und ihrer Biografie als in Kuba geborene Künstlerin, deren Vorfahr*innen hispanische und chinesische Einwander*innen sowie versklavte Nigerianer*innen waren. In vielen Werken vermittelt Campos-Pons durch Selbstporträts das spirituelle, innere und verkörperte Wissen über die Wurzeln ihrer Familie und Vorfahr*innen in den Praktiken der Santeria. Die Santería, auch Regla de Ocha oder Lucumi genannt, entwickelte sich im Kuba des 19. Jahrhunderts und ist eine synkretistische Religion, die aus der traditionellen westafrikanischen Religion der Yoruba und dem Katholizismus hervorgegangen ist. Verkörpertes Wissen spielt eine entscheidende Rolle in Campos-Pons’ Praxis. Sie setzt sich mit dem historischen Erbe des Kolonialismus, dem transatlantischen Handel mit versklavten Menschen, menschlichem Leid und der Schuld der Überlebenden auseinander und nutzt das kollektive und individuelle Gedächtnis als Methode zur Heilung und spirituellen Reinigung. Erinnerung als künstlerische Sprache würdigt die Menschen, Orte und Akte des Widerstands in Amerika. Wiederkehrende Symbole wie Augen, Schmetterlinge und Granatäpfel sowie Darstellungen von Wasser, Fauna und Flora dienen als Metaphern, die mit der Spiritualität der Heilung verbunden sind. Campos-Pons kanalisiert die Energie des Schwarzen Körpers und nutzt sie als eine Form visueller Kommunikation, die Vergangenes und Gegenwärtiges vermittelt, vor allem aber als Hommage an zukünftige Zeiten und Möglichkeiten menschlicher Existenz.

WERK IN DER AUSSTELLUNG:

Macuto (2025), Installation aus bedrucktem Stoff und bedruckten Metallausschnitten, Mase variabel. Courtesy Galerie Barbara Thumm und Efie Gallery. Im Auftrag Fundação Bienal de São Paulo für die 36. Bienal, Teilnahme in São Paulo mit Unterstützung des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen