1972, in der Hochphase des Kalten Krieges, wurde die Insel Okinawa nach 25 Jahren US-amerikanischer Militärbesatzung erneut an Japan angegliedert. Während die japanische Regierung die Verwaltung übernahm, garantierten bilaterale Sicherheitsabkommen den Fortbestand der US-amerikanischen Militärbasen und zementierten Okinawas Rolle als strategischen Stützpunkt der Vereinigten Staaten im Pazifik. In diesem Kontext entstand das Fotobuch Hot Days in Camp Hansen!! (1975–1977) der Fotografin Mao Ishikawa. Im Zentrum der Bilder stehen zwei soziale Gruppen, die tief im Alltagsgeschehen Okinawas der 1970er Jahre verwurzelt waren: US-amerikanische Soldaten und die Frauen der Stadt Kin, die in den Bars rund um Camp Hansen arbeiteten und häufig Liebes- und Sexualbeziehungen mit den Soldaten eingingen. Ishikawa verweigert sich einem exotisierenden fotojournalistischen Ansatz. Ihr Ziel ist es nicht, die Geschichte der Ausbeutung durch die Streitkräfte als Anklageschrift zu erzählen. Stattdessen enthüllt sie ein komplexes Netz aus Zuneigung und Solidarität zwischen Menschen, die Gefühle und ein gemeinsames Leben teilen — mehrheitlich Schwarze Soldaten und einheimische Frauen, die als Subalterne in einer historisch marginalisierten Peripherie des japanischen Staates leben. Die okinawaische Jugend der 1970er Jahre war stark beeinflusst vom internationalen Antiimperialismus, den Protesten gegen den Vietnamkrieg und der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten. Ishikawa selbst reiste 1986 mit ihrem Freund, dem Army-Veteranen Myron Carr, nach Philadelphia und verbrachte dort knapp zwei Monate. Mit radikal menschlichem Blick porträtierte sie, fernab von der militarisierten Realität auf der Insel, den Herkunftskontext der Männer, die sie in Okinawa getroffen hatte. Ihre Bilder halten intime Begegnungen zwischen Freund*innen und Familienangehörigen fest, zeigen spielende Kinder, entspannte Gespräche auf dem Sofa und Spaziergänge durch die Straßen der Stadt.

WERKE IN DER AUSSTELLUNG:

32 6 Fotografien aus der Serie Red Flower – The Women of Okinawa (1975–1977), Druck auf Baumwollpapier, je 48 × 38 cm oder 38 × 48 cm; 3 Fotografien aus der Serie Life in Philly (1986), Druck auf Baumwollpapier, je 38 × 48 cm; 8 Fotografien aus der Serie Uchina Shibai (Okinawa Play) – A Story of Nakada Sachiko’s Theatre Company, Druck auf Baumwollpapier, je 38 × 48 cm oder 48 × 38 cm: Nakada Sachiko (Born in 1933) the Leader of the Troupe, Deigo-za Group. Comic Role Fits her Perfectly (1978); An Old-Fashioned but Sophisticated Green Room. Akebono Theater, Naha City (Mai 1978); In the Dawn, Came Back from the Bar and Fell Asleep Instantly between my Husband and a Grandchild (April 1981); With 99-Year-Old Grandma Matsu. Elderly Welfare Center, Nakagusuku Village (Oktober 1981); Three Daughters All Together at Work in the Mothers’ Bar. Eldest Kazuko (Left), Youngest Yasue (Middle), Intermediate Akemi (Right). Nakada Sachiko Geinokan, Naha City (April 1985); Yoza Choi (27. Mai 1989) Title of Program: „Newspaper Boy.“ Masae, a Granddaughter, Was Staring. Reversion Memorial Hall, Gushikawa City (Februar 1991); Title of Program: „Smoke of Saying Good-bye.“ Bitter Cry. The Expression of the Leader of the Troupe. Reversion Memorial Hall, Gushikawa City (Februar 1991); Alle Courtesy POETIC SCAPE, in Zusammenarbeit mit Okinawa Prefectural Museum & Art Museum; Teilnahme in São Paulo mit Unterstützung des National Center for Art Research, Japan