TRANSCLANDESTINA 3020 von Manauara Clandestina ist das Ergebnis einer langjährigen Recherche und Sammlung von Geschichten und Prozessen, die vielfältige Sprachen heraufbeschwören. Textilien, Video, Fotografie und Performance bilden dieses multidisziplinäre und prophetische, von der neo-pflingstkirchlichen Bewegung inspirierte Werk, das sich jedem apokalyptischen Fatalismus verweigert. In Zusammenarbeit mit Künstler*innen aus Mode, Musik und Film entstand eine neue Kollektion aus umgestalteten und recycelten Arbeiter*innenuniformen, eine Modenschau, eine skulpturale Installation der Kleidungsstücke sowie ein Film, der den gesamten kreativen Prozess der Gruppe dokumentiert. In Clandestinas Praxis ist das Beschreiten neuer Wege die einzige Strategie, um einer brutalen Gegenwart zu entkommen. Die Künstlerin schafft so einen Raum für ungeahnte Möglichkeiten und Existenzen. Obwohl Trans-Anzestralität eine Konstante in der Menschheitsgeschichte ist, dominieren in den gängigen Dispositiven des Erinnerns cis-heteronormative Lebensläufe. Clandestina versteht sich als Teil einer bevorstehenden Vergangenheit und beschreibt eine Zukunft, in der auch unter permanenter Verfolgung Fluchtwege und unwahrscheinliche Allianzen weiterhin die Möglichkeiten des Daseins bestimmen. Der Wunsch nach Flucht entspringt gerade jener Vorstellungskraft, die es uns ermöglicht, uns andere mögliche Realitäten vorzustellen. Wie Ameisenköniginnen und Feigenwespen, die ihre Flügel abwerfen, um den Fortbestand des Lebens zu sichern, sind auch die Besuchenden aufgefordert, den Wunsch, fliegen zu können – diese langanhaltende Metapher des Fortschritts – zu revidieren. Fliegen ist letztlich keine Notwendigkeit, solange die Füße fest auf dem Boden stehen.   

WERK IN DER AUSSTELLUNG:

TRANSCLANDESTINA 3020 (2025), Installation aus Textil und Video, 20′, Maße variabel. Courtesy Mitre Galeria. Im Auftrag der Fundação Bienal de São Paulo für die 36. Bienal, Teilnahme in São Paulo mit Unterstützung des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen