Die Malerin, Bildhauerin und Grafikerin Malika Agueznay ist eine der führenden Persönlichkeiten der marokkanischen modernen und zeitgenössischen Kunst. Sie studierte von 1966 bis 1970 an der Kunsthochschule von Casablanca, während der Blütezeit und der pädagogischen Revolution unter der Leitung von Farid Belkahia, Mohamed Melehi und Mohammed Chabâa. Agueznay ist eine der wenigen Künstlerinnen, die in dieser Zeit an der Kunstschule von Casablanca studierten und bis heute aktiv sind. 1981 wurde Agueznay gemeinsam mit Mohamed Melehi, Mohammed Chabâa und Chaïbia Talal vom Psychiater Abdellah Ziou Ziou eingeladen, ein künstlerisches Programm zu entwickeln, das Wandmalereien und Kino umfasste. In das Programm waren auch Patient*innen der psychiatrischen Klinik von Berrechid eingebunden, mit dem Ziel, die Rolle der Psychiatrie und psychisch erkrankter Menschen innerhalb der marokkanischen Gesellschaft zu rehabilitieren. Agueznay arbeitete dabei eng mit dem Kunsthistoriker und Anthropologen Toni Maraini zusammen und widmete sich insbesondere der Arbeit mit den Patient*innen. Bekannt ist Agueznay für ihr charakteristisches Seetangmuster, das sich durch Druckgrafik, Malerei und Holzschnitt zieht und Zellstrukturen heraufbeschwört, die in abstrakten Landschaften wachsen und sich vermehren. Das Muster tritt als polymorphe, flächige visuelle Strategie in Erscheinung oder mit kalligrafischem Text verknüpft, zwischen botanischer Baumstruktur und weiblichen anthropomorphen Assoziationen. Agueznays aquatische oder atmosphärische Kompositionen, in denen sich Ozeane, Sternbilder und Sonnen überlagern, können auch als dekorative und feminine Antwort auf die westliche kinetische und minimalistische Kunst gesehen werden. Agueznays organische Abstraktionen haben viele Ursprünge innerhalb derselben Kosmogonie, desselben Zeichensystems.

WERKE IN DER AUSSTELLUNG:

3 Flaggen, Reproduktionen auf Stoff, je 600 × 450 cm: Le Paradis sous les pas des meres (1996). Courtesy Mehdia Agueznay; Tiqlit (1991). Courtesy Privatsammlung; La paix, assalam (2012). Courtesy Privatsammlung, Adaption in Berlin in Auftrag gegeben vom Haus der Kulturen der Welt (HKW)