Lidia Lisboa

Lidia Lisbôa, Installationsansicht von Tetas que deram de mamar ao mundo (2025), 36. Bienal de São Paulo. Foto: Natt Fejfar. Courtesy Fundação Bienal de São Paulo
Kochen, Arbeiten, Beziehungen führen und leben – all das erfordert Kreativität. Lidia Lisbôas künstlerische Forschung rekonstruiert Erinnerungen und Körper, die der Gegenwart vorausgehen. Dabei erkundet sie in einem erweiterten Konzept des Nähens unterschiedliche Medien wie etwa Skulptur, Zeichnung, Installation und Performance. Geburt und Verwandlung kehren in Lisbôas Arbeiten immer wieder, oft bereits in Titeln durch Wörter wie „Uterus“ und „Kokon“. Die Serie Tetas que deram de mamar ao mundo (Brüste, die die Welt gestillt haben, 2015–2025) würdigt stillende Menschen und die Mutterschaft im weiteren Sinne mit monumentalen Strukturen üppiger Brüste in unterschiedlichen Farben. Die voluminösen Häkelarbeiten schaffen einen Raum aktiver Geborgenheit und erscheinen zugleich als fremde, mannigfaltige Körper, die über sich selbst hinauswachsen und untrennbar mit der Welt verbunden sind. Stoffreste tauchen auf und versinken wieder in einem Netz dicht gesäter Knoten, geknüpft, um gesehen zu werden. Und mehr noch: So wie die Mutter dem Kind ihre Milch gibt und so das Leben in seinem Kern teilt, ist der Flicken hier Motiv und Ursprung der gesamten Arbeit. Wo ein Faden endet und ein anderer beginnt, lässt sich kaum bestimmen, auch wenn Unterschiede zwischen ihnen bestehen. Sie tragen und formen die Brust, durch die ein Strang bis auf den Boden reicht, während vier weitere in der Schwebe bleiben. Indem sie Geschichten verwebt, statt sie linear zu erzählen, lässt Lisbôa gesellschaftlich verdrängte Sehnsüchte, Ängste und Wünsche nachhallen. Ob in Installationen, Keramiken oder Zeichnungen: Ihre Werke erweitern beharrlich ihren eigenen politischen, sinnlichen und künstlerischen Körper, bilden eine Präsenz aus, die sich den Raum um sich herum vorbehaltlos nimmt.
WERK IN DER AUSSTELLUNG:
Tetas que deram de mamar ao mundo (2025), Häkelarbeit, Maße variabel. Courtesy Almeida & Dale. Im Auftrag der Fundação Bienal de São Paulo für die 36. Bienal