Leo Asemota

Leo Asemota, Installationsansicht of Untitled (2025), 36. Bienal de São Paulo, Foto: Natt Fejfar, Courtesy Fundação Bienal de São Paulo
Auf dem afrikanischen Kontinent und in der Diaspora ist es üblich, sich der Ahn*innen zu erinnern und sie zu ehren, wenn Gemeinschaften zusammenkommen. Ob im Brechen und Teilen einer Kolanuss oder dem Ausgießen von Alkohol auf den Boden als Trankopfer, diese Gesten verweisen auf eine innige Verbundenheit und ein Erbe, das geografische Grenzen und nationalstaatliche Identitäten überschreitet. Leo Asemota stammt aus dem Königreich Benin im heutigen Bundesstaat Edo in Nigeria. Sein unbetiteltes Werk bezieht sich auf ein Trankopfer, den sogenannten Kissi-Penny. Er besteht aus in einer Kupfer-Zinn- Legierung gegossenen Elementen, von denen jedes als Unikat gestaltet wurde. Im 19. und 20. Jahrhundert war der Kissi-Penny ein weit verbreitetes gesetzliches Zahlungsmittel für die Völker der Kissi, Loma und Bandi, die in den Grenzregionen des heutigen Liberia, Sierra Leone und Guinea lebten. Man glaubte, dass der Penny, der aus einem langen, gedrehten Eisenstab mit einem Öhr (nling) an einem Ende und einem Fuß (kodo) am anderen bestand, eine Seele besitze. Nachdem die Franzosen und Briten ihn Ende des 20. Jahrhunderts in ihren jeweiligen afrikanischen Kolonien abgewertet hatten, behielt er in vielen Indigenen Gesellschaften einen zeremoniellen und spirituellen Wert.
WERK IN DER AUSSTELLUNG:
Untitled (2025), Bronze, 26 × 3 × 0,3 cm. Courtesy Leo Asemota. Im Auftrag der Fundação Bienal de São Paulo für die 36. Bienal