Julianknxx’ Werk durchquert geografische, gestische, sprachliche Räume und konstruiert ein Archiv der Übergänge, in dem jede Einzelstimme als Teil eines großen Chors auftritt. Wer sich mit seinem Werk befasst, stößt schnell auf die kulturelle Matrix Westafrikas, insbesondere Sierra Leones, des Geburtslandes des Künstlers. Seine Filme, Installationen und Performances suchen nicht nach einzelnen Zeugnissen, sondern nach einem Geflecht aus Erinnerungen und Präsenzen, die sich kolonialen Narrativen entziehen. Er interessiert sich gleichermaßen für die globale wie für die Alltagsgeschichte der Menschen. Chor, gesprochenes Wort und Performance sind für ihn Wege, Musik als Mittel des Widerstands, aber auch als Spur, als Klang derer zu denken, die nie aufgegeben haben. Auch das Lyrische gehört zu seinen künstlerischen Werkzeugen. Seine poetischen Texte übersetzen Erfahrungen, Weltbeobachtungen und Erinnerungsfragmente in neue Formen des Widerstands. Seine Praxis stellt die Hierarchien westlicher Archivarbeit infrage und erklärt das Zuhören zur radikalen Methode. Entscheidend ist nicht nur das Gesagte, auch das Schweigen ist eine Warnung. An der Schnittstelle zwischen Kunst und Politik erinnern seine Bilder und Sounds daran, dass Geschichte immer schon mehr war, als die kolonialen Erzählungen glauben machten. Sie ist das, wovon gesungen wird, auch wenn niemand zuzuhören scheint.

WERK IN DER AUSSTELLUNG:

what colours can we dream in this night filled with salt? (2025), Video, 11 07", Chor: Boras Choir, Tänzerin: Dorothee Munyaneza. Courtesy Julianknxx. Entwickelt im Rahmen des LUMA Arles Residency Program im Auftrag der Fundacao Bienal de Sao Paulo für die 36. Bienal, adaptiert für das Haus der Kulturen der Welt (HKW)