Gervane de Paula

Gervane de Paula, Installationsansicht von Arte aqui é mártir (2017) und Bacia hidrográfica (2016), 36. Bienal de São Paulo, Detail. Foto: Natt Fejfar, Courtesy Fundação Bienal de São Paulo
Gervane de Paula realisiert seine ausdrucksstarke grafische Kunst in Malerei, Zeichnung, Fotografie, Installation und Objektkunst. Seine Arbeiten beschwören ökologisches Bewusstsein und wechseln dabei zwischen melancholischen Tönen und heftiger Anklage. Festliche Szenen in seinem Wohnviertel in Cuiabá, Mato Grosso, stehen neben den Savannen des Cerrado Zentralbrasiliens. Sie thematisieren die sozialen und ökologischen Katastrophen und das Erbe der Gewalt, das industrielle Landwirtschaft, Großgrundbesitz und unregulierter Bergbau verursachen. De Paulas Werk ist von Massenkonsum, Alltagsgegenständen des brasilianischen Mittleren Westens und kunstgeschichtlichen Bezügen geprägt. Er entwirft pseudofiktionale Narrative über die feindseligen Reaktionen von Vertreter*innen des Großgrundbesitzes und ungezügelter Agrarindustrie, wenn man ihnen mit dem kritischen Instrumentarium der Kunst begegnet. Wo sie die Stimme des Künstlers als politische und ökologische Intervention empfinden, die sie von ihren illegalen Machenschaften abhalten will, reagieren sie mit grausamer Vergeltung. Wiederkehrende Motive sind Gewehre, tote Künstler*innen, Blut und Gedenktafeln für politische oder Umweltaktivist*innen. Neben Ökokriminalität thematisiert de Paula die sozialen Verbrechen der Unternehmen. Die Agrarindustrie und das Drogengeschäft an der brasilianisch-bolivianischen Grenze sowie der strukturelle Rassismus sind ebenso oft Thema wie politische Korruption und eine gewalttätige, demokratiefeindliche Polizei. Zuweilen überträgt de Paula diese Dynamiken von Macht, Gewalt und Feindseligkeit sarkastisch auf den Kunstmarkt, der ihn geografisch ausschließt. Da er in der Peripherie in Cuiabá lebt, fern vom hegemonialen Südosten des Landes, wo die maßgeblichen Entscheidungen des Kunstmarktes getroffen werden, wurde sein mehr als vierzig Jahre umfassendes Schaffen lange übersehen und unterschätzt.
WERKE IN DER AUSSTELLUNG:
Arte aqui e martir (2017), Öl und Collage auf Holz, 85 × 70 cm. Courtesy MT Projetos de Arte Collection; Bacia hidrografica (2016), Öl auf Leinwand und Stahl, 80 cm. Courtesy Gervane de Paula; Pata (2014), Collage auf Kunstleder und Plusch, 35 × 43 × 17 cm und 49 × 26 × 14 cm. Courtesy Gervane de Paula