Sound System, Berlin Version 26, The Appeal von Christopher Cozier zeichnet die politischen und sozialen Geschichten in Dancehall und Popmusik nach. In Anlehnung an eine Installation von 2001 besteht das für die Ausstellung Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanitat als Praxis entstandene Werk aus acht Bildelementen. Kulturelle Bezüge aus der trinidadischen Gesellschaft, die von einer karibischen Perspektive im weiteren Sinne geprägt sind, rufen wiederkehrende Symbole wie Lautsprecher, Calypso-Hüte und Megaphone auf, die über ihre auffällige Ästhetik hinaus Bedeutung und Erinnerungen transportieren. Die vier Lautsprecher verweisen in ihrer räumlichen Anordnung auf eine Blocko- oder Blockorama-Party – einem festen kulturellen Bestandteil der 1970er Jahre. Der Calypso-Hut verweist auf eine ikonische Szene aus dem Jahr 1948, in der Lord Kitchener beim Verlassen der SS Windrush in den Tilbury Docks die Kameras in seinen Bann zog und mit seiner Melodie „London is the place for me“ dem Empire trotzte. Das Bild einer Downtown Outlaws-Kassette – reproduziert aus Coziers persönlichem Archiv – verweist hingegen auf die Zeit Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre, in der das legendäre DJ-Kollektiv die Szene in Port of Spain dominierte, unterstützt durch die ‚Maxi-Taxis‘-Kultur: Minivans, aus deren dröhnenden Bassanlagen laute Musik schallte. Dieses neue Werk knüpft an Coziers zuvor in São Paulo präsentierte Installation mit dem Titel After The Appeal Will Come The Next Delivery an. Es integriert als neues visuelles Element einen Cricket-Spieler, der eine Protestgeste oder Howzat ausführt, die üblicherweise gegen die Entscheidung des Schiedsrichters dient. Metaphorisch könnte dieses Zeichen auch als Appell an das Imperium interpretiert werden.

WERK IN DER AUSSTELLUNG:

Sound System, Berlin Version 26, The Appeal (seit 2001), Sound, Poster, Maße variable. Courtesy Christopher Cozier und @cozier.wav. Adaption in Berlin in Auftrag gegeben vom Haus der Kulturen der Welt (HKW)