Cevdet Ereks künstlerisches Schaffen entsteht an der Schnittstelle von Klang, Rhythmus und räumlicher Erfahrung. Er inszeniert Installationen, die unser Bewusstsein für Räume neu formieren. Durch das Zusammenspiel scheinbar bescheidener Elemente – etwa Lineale, skelettartige Trommeln oder schematische Partituren – oder durch Konstruktionen in architektonischem Maßstab, die mit Soundsystemen verbunden sind, erschafft Erek immersive Szenarien, in denen der Körper zum Instrument der Wahrnehmung wird. Seine Arbeiten rufen eine stille Achtsamkeit hervor und lenken unsere Aufmerksamkeit auf die Rhythmen des Alltags, auf körperliche Bewegungen, institutionelle Routinen und Geschichten, die in architektonischen Strukturen eingebettet sind. Ursprünglich auf der 36. Bienal de São Paulo präsentiert, hat Erek die Arbeit Rampa ritmica (2025) und ihre räumliche Choreografie an die Architektur des Haus der Kulturen der Welt angepasst. Sowohl der Biennale-Pavillon als auch die ehemalige Kongresshalle des HKW sind symbolträchtige Gebäude der Nachkriegsmoderne, bei denen die Wegeführung und die freiliegende Struktur im Vordergrund stehen. Während die ursprüngliche Installation die Außenrampe von Oscar Niemeyers Biennale-Pavillon einbezog, schmiegt sich diese Version an den Rhythmus der Eingangs-Kolonnade des HKW und die Umgebungsgeräusche an. Zwölf Lautsprecher und zwei Subwoofer sind zwischen den Säulen angeordnet und erzeugen zwölf zugleich ablaufende rhythmische Strukturen, die eine gemeinsame Dauer in ein bis zwölf gleiche Abschnitte unterteilen, was zu einer Reihe von Taktarten führt. Sorgfältig ausgewählte Samples setzen Akzente, die Tanzrhythmen aus weit entfernten musikalischen Geografien und Traditionen heraufbeschwören, darunter auch Aksak-Taktarten. In São Paulo wurden diese Muster durch lineare und zyklische Notation auf einem großen Banner dargestellt, das an der Fassade der Rampenkonstruktion angebracht war. Im HKW überträgt ein Foto der ursprünglichen Installation im Format eines Plattencovers dieses visuelle Element in die Ausstellung. Das Werk regt zu Assoziationen mit Auf- und Abstieg an, die klangliche und architektonische Welten miteinander verbinden, lässt aber auch an den Aufstieg und Niedergang von Bewegungen und Geschichten denken.

WERK IN DER AUSSTELLUNG:

2 Rampa ritmica – HKW (2026), 14-Kanal-Audio-Installation, Lautsprecher, Digitaldruck, 12", 31,5 × 31,5 cm. Courtesy Cevdet Erek und neugerriemschneider. Im Auftrag der Fundacao Bienal de Sao Paulo fur die 36. Bienal, mit Unterstutzung von SAHA, Adaption in Berlin in Auftrag gegeben vom Haus der Kulturen der Welt (HKW)