Aline Baiana

Aline Baiana, Still aus Ouro negro é a gente (2025). Courtesy Pivô – Arte e Pesquisa
Das Werk von Aline Baiana thematisiert den Konflikt zwischen globalen Machtzentren und quilombos (Gemeinschaften ehemals versklavter Menschen, die durch Flucht oder Emanzipation entstanden) aus der Perspektive sozialer Gerechtigkeit und prangert die ökologischen Verheerungen infolge kapitalistischer Industrialisierung an. Dafür kooperiert Baiana mit Fischern, Muschelsammlerinnen, Handwerkern und Aktivistinnen in der quilombolischen Tradition, deren widerständige Stimmen und Erzählungen sie sammelt und verstärkt. Die 36. Bienal de São Paulo zeigt ihren Film Ouro negro e a gente (Schwarzes Gold sind die Menschen). Ausgehend von der Erdölförderung und deren ökologischer Blutspur, insbesondere gegenüber quilombolisch organisierten Gemeinschaften, legt der Film die Widersprüche der Entwicklungsökonomie offen. Auf der Ilha da Maré in der Baía de Todos-os-Santos lebt eine solche Gemeinschaft, die versucht ihre Koexistenz mit den lokalen Ökosystemen gegen die Zumutungen der vermeintlichen Modernisierung zu verteidigen. Während große Infrastrukturprojekte wie die Raffinerie von Mataripe und der Hafen von Aratu als Meilensteine des Fortschritts gefeiert werden, erweisen sie sich für die traditionellen Gemeinschaften, die miterleben, wie man ihnen ihr Land Stück für Stücke raubt, als Quellen der systematischen Zerstörung und des Umweltrassismus. Baiana reflektiert die Werte, die hinter dem elitär vorangetriebenen Entwicklungsparadigma stehen. Ouro negro e a gente bringt die Geschichte eines kollektiven Überlebenskampfes ans Licht, der das offizielle Skript von Fortschritt und Entwicklung radikal infrage stellt. Über die Versprechen der Modernisierung hinaus reflektiert der Film die sozialen, ökologischen und kulturellen Verheerungen eines Modells, das historisch Ausgeschlossene weiter ausgrenzt und marginalisiert. Baiana fordert uns auf, den Begriff des Reichtums neu zu denken – und stellt die unbequeme Frage, wem er tatsächlich dient.
WERK IN DER AUSSTELLUNG:
21 Ouro negro e a gente (2025), Full-HD-Video, 52 . Courtesy Pivo – Arte e Pesquisa