Seit mehr als vier Jahrzehnten arbeitet Alberto Pitta an einem visuellen Gesamtwerk, das sich zwischen den Epistemen und Praktiken afrobrasilianischer Kulturen, Spiritualität und grafischer Forschung bewegt. Stoffe und Stofflichkeit sind die zentralen Medien seines Schaffens, Schauplatz und Plattform eines nichthegemonialen Wissens, das Kunst mit Geschichte und kollektiver Erfahrung verwebt. Diesem Werk ist zugleich ein familiäres Erbe eingeschrieben. Als Sohn von Mãe Santinha de Oyá, die in Pirajá, einem Stadteil von Salvador, den anzestralen Raum Ilê Axé Oyá gründete und dort als spirituelles Oberhaupt, Vermittlerin und Stickerin wirkte, wuchs Pitta inmitten der für den Candomblé essenziellen wie existenziellen künstlerischen Praxis auf. Für den Schwarzen Karneval in Bahia wurde seine Bildsprache zur festen Größe, seit Pitta in den 1980er Jahren mit Kreationen von Mustern und Kostümen für Blocos wie Ilê Aiyê (Band’Aiyê), Olodum, Filhos de Gandhy, Oba Laiyê und Afoxé Filhos do Congo hervortrat. Auch jenseits des Karnevals verwischt Pittas Werk die Grenzen textilen Designs. Praxis tritt in Dialog mit den Gegenwartskünsten, zum Beispiel durch die Verwendung von Siebdruck, und findet zwischen Malerei und experimenteller Skulptur ihre Form. Seine Stoffe, die zwischen Ritual und Erinnerungskunst vermitteln, schließen an ein afroatlantisches Bildrepertoire an. Über Muster, Symbole und Gesten hält es den Dialog zwischen den multiplen Versionen Brasiliens, Afrikas und seiner Diaspora lebendig. Sein künstlerischer Prozess ist eine gemeinschaftliche Praxis, in der sich das Weben von Stoffen untrennbar mit dem Leben der Gemeinschaften verbindet, die sie tragen: ob im Atelier des Künstlers, in den Galerien oder auf den Afro-Blocos in Salvadors Straßen – Pittas Gewebe und Geschichten hören nicht auf zu erzählen – in Bewegung, an Körpern und unterwegs durch die Zeiten.

 

WERKE IN DER AUSSTELLUNG:

6 Siebdruck auf Baumwollgewebe, in chronologischer Reihenfolge:

Olodum, Tropicalism (1994), 340 × 146 cm; Afoxe Filhos do Congo, Black, independence and freedom in Afoxe (2011), 520 × 150 cm; Cortejo Afro, Ogum (2013), 688 x 150 cm; Commanches do Pelo (2014), 768 × 156 cm; Cortejo Afro (2014), 411 × 160 cm; Afoxe Filhos do Congo (2018), 538 × 153 cm; Afoxe Filhos do Congo (2019), 480 × 150 cm; Ile Aiye, Botswana (2020), 536 × 160 cm; Afoxe Filhos do Congo (2025), 512 × 150 cm; Afoxe Filhos do Congo, Nelson Maleiro (2025), 1008 × 152 cm; Olodum, The Treasures of Tutankhamun (2025), 1080 × 140 cm; Alle Courtesy Alberto Pitta und Nara Roesler