Was lässt sich von einem fotografischen Essay über die Bewohnenden São Paolos erwarten? An einem Karnevalsfreitagnachmittag ging Akinbode Akinbiyi die Rua Três Rios entlang und stieß auf ein merkwürdiges Geflecht von Kabeln an einem Strommast. Darunter ein Schild, das den Weg zu zwei Orten in São Paulo wies. In die eine Richtung ging es zum Parque Dom Pedro im historischen Zentrum. In die andere zum angrenzenden Viertel Canindé, legendär porträtiert von Carolina Maria de Jesus in ihrem Tagebuch der Armut und heute ein Hafen für die bolivianische Community. Die Straße mit den drei Flüssen im Namen wurde für Akinbiyi zur Trichtermündung einer sechswöchigen Stadtumsegelung. Die Überschneidungen zwischen Straßen, Personen, Erfahrungen und Erwartungen sind die zentralen Vektoren, die Akinbiyi mit den Städten verbindet, die er besucht, bewohnt und fotografiert. Sie bilden zugleich die Grundlage seiner fotografischen Praxis – ein langsames und kontinuierliches Arbeiten, das ihn seit den 1970er Jahren bereits durch Lagos, Kairo, Berlin, Dakar, Johannesburg, Chicago, Bamako und viele weitere Städte führte und sich nun in São Paulo fortsetzt. Das Tempo der Megacity und die entschleunigte Zeit fotografischen Denkens und Arbeitens mögen als Gegensätze erscheinen, doch gemeinsam offenbaren sie den Rhythmus der Stadt und ihrer Bewohner*innen. Im Rahmen einer intensiven Auseinandersetzung mit dem sozialen Gefüge São Paulos begleitete Akinbiyi mit seiner Rolleiflex-Kamera den schöpferischen Alltag der zahlreichen Gruppen, Vereine und Kollektive im Kulturzentrum Casa do Povo im Stadtteil Bom Retiro – darunter einen Schachclub, jiddische Chorproben, Boxtraining und eine Grafikwerkstatt.

WERKE IN DER AUSSTELLUNG:

3 Reproduktionen von Fotografien, Mittelformat, Analogfilm, schwarz-weis, auf Stoff, je 200 × 200 cm:13 Fotografien aus der Serie Casa do Povo, Bom Retiro, Sao Paulo (2025); 7 Fotografien aus der Serie Bom Retiro, Sao Paulo (2025), Hugueta Sendacz, Casa do Povo, Bom Retiro, Sao Paulo (2025); Republica, Sao Paulo (2025); Se, Sao Paulo (2025); Vila Madalena, Sao Paulo (2025); Alle Courtesy Akinbode Akinbiyi