Vibrant Mourning: To Touch and Being Touched by Algae
Nina Lykke
Keynote
Th., 16.7.2026
19:30–20:30
Angie Stardust Foyer
Auf Englisch
Eintritt frei

To Touch and Being Touched (2023), Diatomit-Meeresboden auf der Insel Fur, Dänemark. Bild: Katja Aglert and Nina Lykke
Die Fur-Formation ist eine Klippen- und Erdformation an der Küste der Insel Fur im Limfjord in Dänemark. Sie entstand vor etwa 55 Millionen Jahren durch Mikroalgen, die als Kieselalgen (Diatomeen) bekannt sind. An diesem Ort wurde die Asche von Nina Lykkes lesbischer Lebenspartnerin verstreut. Lykkes Überlegungen richten sich auf die Metamorphosen der materiellen Überreste ihrer Partnerin, die zu Asche wurden und sich mit dem von den Algen gebildeten Sediment auf dem Meeresboden des Limfjords verbunden haben. Auf diese Weise nimmt sie eine öko-sinnliche, queere femme-inine Liebesbeziehung zu den Kieselalgen auf, um so den Tod und was danach kommt auf eine neue Weise als lebendige Prozesse zu begreifen. Sie berührt diese Vorgänge der Auflösung, Verdichtung und Transformation und zugleich wird sie von ihnen berührt. Dadurch wird Lykke zu einer ökologischen Fürsprecherin der Gewässer des Limfjords, seines von den Algen hervorgebrachten Meeresbodens und seiner Diatomitklippen.
Diese Lecture Performance verbindet poetische Lesungen aus Lykkes genreübergreifenden Büchern Vibrant Death (2022) und Feminist Reconfigurings of Alien Encounters (2024) mit philosophischen Reflexionen über ihren Umgang mit einer Trauer, die über das Menschliche hinausreicht. Lykke betont die materielle Verflechtung von Leben und Tod und versteht Trauer als eine verkörperte Praxis, die es ermöglicht, fortdauernde Beziehungen zu den Verstorbenen aufzunehmen und in einem ökologischen wie philosophischen Sinn neu zu knüpfen.