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Vier Auftragsarbeiten von Berliner Musikerinnen eröffnen das Festival: Aerea Negrot, Tellavision & Derya Yıldırım, Bernadette La Hengst sowie Barbara Morgenstern mit dem Chor der Kulturen der Welt und Olith Ratego haben gefundene Sounds – aus digitalen Archiven, Forschungsbüchern, alten Bandvideos – bearbeitet. Das undogmatische Reissue-Label Sublime Frequencies präsentiert die Rhythmus-Psychedeliker Hayvanlar Alemi und die von Baba Commandant angeführte Mandingo-Band; Labelgründer Alan Bishop legt anschließend indonesische Singles auf.

Der Erhalt des musikalischen Kollektivgedächtnisses wird in vielen afrikanischen Ländern besonders drängend diskutiert: Viele Aufnahmen lagern in deutschen Museen oder US-amerikanischen Universitäten. DJ Raph aus Nairobi weckt solches Material aus dem Konservierungsschlaf. Das einzigartige Archiv von Radio Mogadishu kämpft um den digitalen Fortbestand, denn nach dem Bürgerkrieg droht nun die Zersetzung der Tonbänder und damit der Verlust der Zeugnisse von Somalias pulsierender Musikszene. Die Dur-Dur Band International lässt im HKW ihre goldene Ära der 1970er und 80er Jahre wieder aufleben. Auch kürzlich in einem italienischen Privatarchiv gefundenes Filmmaterial über die Afrobeat-Ikone Fela Kuti wirft Fragen nach Selektion und Zugänglichkeit auf. Die Fragmente sind erstmals öffentlich in einer Installation von Filmemacher und Fotograf Armin Linke zu sehen. Der Saxofon-Virtuose Femi Kuti hat mit dem Club The New Afrika Shrine in Lagos seinem Vater und der gesamten Afrobeat-Bewegung ein Denkmal gesetzt. Auch live mit The Positive Force huldigt er diesem musikalischen Erbe.

Ein breites Diskursprogramm – darunter Beiträge von Künstler, Autor und DJ Jace Clayton, Musikethnologin Diane Thram, Retromania-Autor Simon Reynolds und Künstlerin Cornelia Sollfrank diskutiert die zentralen Fragen und Probleme, die das Sammeln, Speichern und Reaktivieren von Musik mit sich bringt.