Save the Date: Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanität als Praxis. 36. Bienal de São Paulo, Berlin Edition
Pressemitteilung, 30.6.2026
Nicht alle Reisenden folgen Wegen –
Humanität als Praxis
36. Bienal de São Paulo, Berlin Edition
12. September–6. Dezember 2026
Pressevorbesichtigung: Fr., 11.9.2026, 12:00
Eröffnung: Fr., 11.9.2026, 18:00
Pressefotos: hkw.de/pressefotos
Mit der Ausstellung Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanität als Praxis kommt die 36. Bienal de São Paulo nach Berlin ins Haus der Kulturen der Welt (HKW). Zum ersten Mal überhaupt findet damit eine der ältesten und bedeutendsten Kunstbiennalen auch in Deutschland statt. Die speziell für Berlin konzipierte Edition präsentiert eine eigenständige Konstellation künstlerischer Positionen, darunter neu entwickelte, adaptierte und ortsspezifische Arbeiten.
Ausgehend von Conceição Evaristos Gedicht ‚Da calma e do silêncio‘ (‚Über Ruhe und Stille‘), in dem sie schreibt: ‚Nicht alle Reisenden / folgen Wegen. / Es gibt verborgene Welten, / in die nur die Stille / der Poesie vordringt.‘, begreift die Ausstellung das Zuhören als einen wesentlichen Aspekt einer Praxis der Humanität. Durch ein solches intensives Einstimmen kann es gelingen, sich für Beziehungen zu öffnen, in Relation zu treten – mit anderen Wesen, auch mit Landstrichen und Wasserläufen, mit den über viele Generationen reichenden Herkünften, die wir in uns tragen – und Räume des Zusammenlebens und der Fürsorge zu schaffen.
Dieser Begriff der Relation verbindet nicht nur die Städte São Paulo und Berlin, sondern insbesondere die jeweiligen Ausstellungsorte miteinander. Entworfen als modernistisches Wahrzeichen, befindet sich Oscar Niemeyers Biennale-Pavillon in São Paulos Ibirapuera-Park, der von den Wassern des Córrego do Sapateiro geprägt ist. Das aus derselben Epoche stammende Gebäude des HKW, die von Hugh Stubbins entworfene ehemalige Kongresshalle, liegt am Rande des Berliner Tiergartens am Ufer der Spree. Beide Orte bilden poröse Schwellen zwischen Architektur und Landschaft, Innerem und Äußerem, menschlichen und mehr-als-menschlichen Welten. Hier gewinnt die zentrale Ausstellungsmetapher des Ästuars – des Mündungsgebiets eines Flusses – besonders an Bedeutung: als ein Schauplatz, an dem sich unterschiedliche Gewässer begegnen und der durch Kultivierung, Wechselbeziehungen, Gegenseitigkeit und geteilte Verletzlichkeiten die Lebensgrundlage für eine Vielzahl an Lebewesen bildet.
Die Ausstellung denkt Humanität als Verb – als eine lebendige Praxis, die eine Neuaushandlung und den Abbau von vorherrschenden Asymmetrien ermöglichen kann. In ihren Installationen, Performances, Soundarbeiten, Erzählungen und räumlichen Interventionen setzen sich die teilnehmenden Künstler*innen kritisch mit den politischen und kolonialen Vermächtnissen auseinander, die in die Moderne eingelagert sind. Dabei artikulieren sie – von São Paulo bis nach Berlin und darüberhinaus – Formen des Widerstands gegen Entmenschlichung, Raubbau an der Natur und monokulturelles Denken. Zugleich kultivieren die Arbeiten Gesten der Fürsorge, des Kümmerns und des Füreinandereinstehens, die über das Menschliche hinausreichen und sich auf tierisches und pflanzliches Leben, auf Erinnerung und Geist erstrecken. Schönheit tritt hier in Erscheinung als eine politische Kraft, die verwurzelt ist im Gewöhnlichen, im Zerbrochenen und im Unvollendeten.
Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanität als Praxis ist eine Einladung, sich auf die Suche nach den Spuren einer solchen Praxis zu begeben. Welche Pfade schlagen wir dabei ein? Auf welche Weise können wir es uns erlauben, vom Weg abzuweichen, die Straße hinter uns zu lassen, in die Irre zu schweifen, uns zu verlieren und andere Welten zu finden? Mit mehr als 30 internationalen Künstler*innen aus einem weitgefassten Spektrum von Praxen bildet die Berlin Edition eine komprimierte Version der 36. Bienal de São Paulo. Die Ausstellung ist ein Plädoyer für Freude, für die Kraft der Imagination und für das Träumen, nicht als Eskapismus, sondern als lebendige Formen der Konjugation von Humanität.
Mit:
Malika Agueznay, Akinbode Akinbiyi, Leo Asemota, Maria Auxiliadora, Aline Baiana, María Magdalena Campos-Pons, Rebeca Carapiá, Manauara Clandestina, Christopher Cozier, Gervane de Paula, Théodore Diouf, Juliana dos Santos, Cevdet Erek, Theo Eshetu, Tanka Fonta, Forensic Architecture, Laila Hida, Lynn Hershman Leeson, Mao Ishikawa, Julianknxx, Lidia Lisbôa, Mohamed Melehi, Emeka Ogboh, Olu Oguibe, Alberto Pitta, Edival Ramosa, Ana Raylander Mártis dos Anjos, Ming Smith, Sérgio Soarez, Chaïbia Talal, Wolfgang Tillmans
Konzipiert von Bonaventure Soh Bejeng Ndikung zusammen mit den Ko-Kuratorinnen Alya Sebti, Anna Roberta Goetz und Thiago de Paula Souza, der Ko-Kuratorin-at-large Keyna Eleison, der Strategie- und Kommmunkationsberaterin Henriette Gallus und den stellvertretenden Ko-Kurator*innen André Pitol und Leonardo Matsuhei. Die Berlin Edition wird kuratiert von Alya Sebti.
Mehr Informationen: hkw.de/NichtAlleReisenden
Partner
Die Ausstellung ist Teil des von der Fundação Bienal de São Paulo im Jahr 2011 ins Leben gerufenen Programms der ‚reisenden Ausstellungen‘. Die reisenden Ausstellungen haben sich zu einer wesentlichen Erweiterung der Bienal de São Paulo entwickelt: sie ermöglichen es, die im Cicillo Matarazzo Pavillon gezeigten Arbeiten und Debatten im Dialog mit verschiedenen lokalen Kontexten neu zu konfigurieren und aktivieren so neue Lesarten und Beziehungen zu diversen Publika jenseits der Hauptausstellung. Im Rahmen der 36. Ausgabe der Biennale erreicht diese Bewegung fünfzehn neue Örtlichkeiten in Brasilien und international.
Die Eröffnung von Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanität als Praxis findet im Rahmen der Berlin Art Week statt.
Informationen zum Besuch
Öffnungszeiten
Mi.–Mo. 12:00–19:00
Montags und an ausgewählten Sonntagen freier Eintritt.
Längere Öffnungszeiten an Veranstaltungstagen.
Aktuelle Informationen zu Besuch und Zugänglichkeit.
Kinderbetreuung
Das HKW bietet zu vielen Events kostenlose Kinderbetreuungsprogramme an. Weitere Informationen auf hkw.de.
Webshop
Im HKW-Webshop gibt es Veranstaltungstickets, Geschenk-Gutscheine, Publikationen, Merchandise und weitere Produkte.
Restaurant
Das Restaurant Weltwirtschaft ist täglich ab 12:00 geöffnet.
Kontakt
Maxie Fischer
Leitung Presse und Kommunikation
Haus der Kulturen der Welt (HKW)
John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin
T: + 49 (0) 30 397 87 413
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