Friendly Reminder: Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanität als Praxis. 36. Bienal de São Paulo, Berlin Edition
Pressemitteilung, 26.8.2026
Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanität als Praxis
36. Bienal de São Paulo, Berlin Edition
12.9.–6.12.2026
Pressevorbesichtigung: Fr., 11.9.2026, 12:00
Eröffnung: Fr., 11.9.2026, 17:30
Pressefotos: hkw.de/pressefotos
Wir laden Sie herzlich zu unserer Pressevorbesichtigung am 11.9. um 12:00 Uhr ein. Um Anmeldung wird gebeten: presse@hkw.de.
Alya Sebti und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung führen durch die Ausstellung. Aline Baiana, Emeka Ogboh, Wolfgang Tillmans und weitere beteiligte Künstler*innen werden ebenfalls anwesend sein und ihre Arbeiten vorstellen.
Mit der Ausstellung Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanität als Praxis kommt die 36. Bienal de São Paulo nach Berlin ins Haus der Kulturen der Welt (HKW). Zum ersten Mal überhaupt findet damit eine der ältesten und bedeutendsten Kunstbiennalen auch in Deutschland statt. Die speziell für Berlin konzipierte Edition präsentiert eine eigenständige Konstellation künstlerischer Positionen, darunter neu entwickelte, adaptierte und ortsspezifische Arbeiten.
Ausgehend von Conceição Evaristos Gedicht ‚Da calma e do silêncio‘ (‚Über Ruhe und Stille‘), in dem sie schreibt: ‚Nicht alle Reisenden / folgen Wegen. / Es gibt verborgene Welten, / in die nur die Stille / der Poesie vordringt.‘, begreift die Ausstellung das Zuhören als einen wesentlichen Aspekt einer Praxis der Humanität. Durch ein solches intensives Einstimmen kann es gelingen, sich für Beziehungen zu öffnen, in Relation zu treten – mit anderen Wesen, auch mit Landstrichen und Wasserläufen, mit den über viele Generationen reichenden Herkünften, die wir in uns tragen – und Räume des Zusammenlebens und der Fürsorge zu schaffen.
Dieser Begriff der Relation verbindet nicht nur die Städte São Paulo und Berlin, sondern insbesondere die jeweiligen Ausstellungsorte miteinander. Entworfen als modernistisches Wahrzeichen, befindet sich Oscar Niemeyers Biennale-Pavillon in São Paulos Ibirapuera-Park, der von den Wassern des Córrego do Sapateiro geprägt ist. Das aus derselben Epoche stammende Gebäude des HKW, die von Hugh Stubbins entworfene ehemalige Kongresshalle, liegt am Rande des Berliner Tiergartens am Ufer der Spree. Beide Orte bilden poröse Schwellen zwischen Architektur und Landschaft, Innerem und Äußerem, menschlichen und mehr-als-menschlichen Welten. Hier gewinnt die zentrale Ausstellungsmetapher des Ästuars – des Mündungsgebiets eines Flusses – besonders an Bedeutung: als ein Schauplatz, an dem sich unterschiedliche Gewässer begegnen und der durch Kultivierung, Wechselbeziehungen, Gegenseitigkeit und geteilte Verletzlichkeiten die Lebensgrundlage für eine Vielzahl an Lebewesen bildet.
Die Ausstellung denkt Humanität als Verb – als eine lebendige Praxis, die eine Neuaushandlung und den Abbau von vorherrschenden Asymmetrien ermöglichen kann. In ihren Installationen, Performances, Soundarbeiten, Erzählungen und räumlichen Interventionen setzen sich die teilnehmenden Künstler*innen kritisch mit den politischen und kolonialen Vermächtnissen auseinander, die in die Moderne eingelagert sind. Dabei artikulieren sie – von São Paulo bis nach Berlin und darüberhinaus – Formen des Widerstands gegen Entmenschlichung, Raubbau an der Natur und monokulturelles Denken. Zugleich kultivieren die Arbeiten Gesten der Fürsorge, des Kümmerns und des Füreinandereinstehens, die über das Menschliche hinausreichen und sich auf tierisches und pflanzliches Leben, auf Erinnerung und Geist erstrecken. Schönheit tritt hier in Erscheinung als eine politische Kraft, die verwurzelt ist im Gewöhnlichen, im Zerbrochenen und im Unvollendeten.
Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanität als Praxis ist eine Einladung, sich auf die Suche nach den Spuren einer solchen Praxis zu begeben. Welche Pfade schlagen wir dabei ein? Auf welche Weise können wir es uns erlauben, vom Weg abzuweichen, die Straße hinter uns zu lassen, in die Irre zu schweifen, uns zu verlieren und andere Welten zu finden? Mit mehr als 30 internationalen Künstler*innen aus einem weitgefassten Spektrum von Praxen bildet die Berlin Edition eine komprimierte Version der 36. Bienal de São Paulo. Die Ausstellung ist ein Plädoyer für Freude, für die Kraft der Imagination und für das Träumen, nicht als Eskapismus, sondern als lebendige Formen der Konjugation von Humanität.
Mit:
Amina Agueznay, Malika Agueznay, Akinbode Akinbiyi, Leo Asemota, Maria Auxiliadora, Aline Baiana, María Magdalena Campos-Pons, Rebeca Carapiá, Manauara Clandestina, Christopher Cozier, Gervane de Paula, Théodore Diouf, Juliana dos Santos, Cevdet Erek, Theo Eshetu, Tanka Fonta, Forensic Architecture, Laila Hida, Lynn Hershman Leeson, Leiko Ikemura, Mao Ishikawa, Julianknxx, Lidia Lisbôa, Mohamed Melehi, Emeka Ogboh, Olu Oguibe, Alberto Pitta, Ana Raylander Mártis dos Anjos, Ming Smith, Sérgio Soarez, Chaïbia Talal, Wolfgang Tillmans
Konzipiert von Bonaventure Soh Bejeng Ndikung zusammen mit den Ko-Kuratorinnen Alya Sebti, Anna Roberta Goetz und Thiago de Paula Souza, der Ko-Kuratorin-at-large Keyna Eleison, der Strategie- und Kommunkationsberaterin Henriette Gallus und den stellvertretenden Ko-Kurator*innen André Pitol und Leonardo Matsuhei. Die Berlin Edition wird kuratiert von Alya Sebti.
Mehr Informationen: hkw.de/NichtAlleReisenden
Eröffnungswochenende
Die Ausstellung eröffnet mit einem dreitägigen Programm aus Ausstellungsrundgängen, Artist Talks, Performances, Poesie, Film und Musik. Der Eintritt ist am Eröffnungswochenende frei.
Freitag, 11. September
12:00
Pressevorbesichtigung
Auf Englisch
17:30
18:15–19:00
Julianknxx: Attuned in the Bantutronic
19:30–20:15
Auf Englisch mit Simultanübersetzung ins Deutsche
20:30–22:00
Ray Lema Quintet
22:00–00:00
Emeka Ogboh
Samstag, 12. September
12:00–13:00
Bonaventure Soh Bejeng Ndikung und Alya Sebti
Auf Englisch
14:00–15:00
Aline Baiana
Auf Englisch
15:00–16:00
Vilanismo im Gespräch mit Akinbode Akinbiyi
Auf Englisch
16:00–18:00
On Dance as a Common Ground for Critical Practices
Panel Discussion, Participatory Dance Practice
Felix Dompreh, Pascale ‘Baba’ Altenburger, Nora Amin, 'H’ Patten
Auf Englisch
18:00–19:00
Abena P.A. Busia
Auf Englisch
19:00–21:00
Tuấn Andrew Nguyễn: The Unburied Sounds of a Troubled Horizon
Auf Englisch
Sonntag, 13. September
12:00–13:00
dem Bildungsteam der Fundação Bienal de São Paulo
Auf Portugiesisch
13:45–14:15
Art Love Affair
Mit Lisa Vasvari, Clara Kramer
Auf Deutsch, englische Sprachassistenz möglich
15:00–18:00
Kinderdisco Special
In Zusammenarbeit mit KUYUM Tanzplattform
15:00–16:00
Emilienne Fernande Bodo
Auf Deutsch
Partner
Die Ausstellung ist Teil des von der Fundação Bienal de São Paulo im Jahr 2011 ins Leben gerufenen Programms der ‚reisenden Ausstellungen‘, und wird von Petrobras präsentiert. Die reisenden Ausstellungen haben sich zu einer wesentlichen Erweiterung der Bienal de São Paulo entwickelt: sie ermöglichen es, die im Cicillo Matarazzo Pavillon gezeigten Arbeiten und Debatten im Dialog mit verschiedenen lokalen Kontexten neu zu konfigurieren und aktivieren so neue Lesarten und Beziehungen zu diversen Publika jenseits der Hauptausstellung. Im Rahmen der 36. Ausgabe der Biennale erreicht diese Bewegung fünfzehn neue Örtlichkeiten in Brasilien und international.
Die Eröffnung von Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanität als Praxis findet im Rahmen der Berlin Art Week statt.
Kontakt
Maxie Fischer
Leitung Presse und Kommunikation
Haus der Kulturen der Welt (HKW)
John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin
T: + 49 (0) 30 397 87 413
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