Was, wenn Menschsein kein Zustand ist, sondern ein Verb? „Nicht alle Reisenden folgen Wegen“, schreibt Conceição Evaristo. Dieser Zeile entlehnt Bonaventure Soh Bejeng Ndikung den Titel der 36. Bienal de São Paulo und schlägt vor, Menschsein als Praxis, als ein Tun, nicht als Besitzstand zu denken. Die versammelten Stimmen nähern sich dem aus verschiedenen Richtungen: Für Juliana Borges etwa ist das Wandern und Sich-Verlieren eine Technologie des Abweichens; und Abdellatif Laâbis Gedicht „Ich bekunde“ betrachtet Menschlichkeit als ethische Praxis, die jeden Tag aufs Neue gelebt wird. Er fragt: „Was werde ich heute tun, um der Menschlichkeit würdig zu bleiben?“ – nah am Leitgedanken der Biennale von Menschlichkeit, die durch unser tägliches Handeln immer wieder neu bekräftigt wird. Creuza Krahô wiederum, die der Indigenen Krahô Gemeinschaft Brasiliens angehört, beharrt auf deren Recht "als Menschen in dieser Welt zu leben". Zwischen Poesie, Interview und Essays entsteht ein Klangraum, in dem Zuhören wichtiger wird als Betrachtung und Erfassen.