Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanität als Praxis – Reader (de)
Mit Beiträgen von Abdellatif Laâbi, Abena P. A. Busia, Alya Sebti, Anna Roberta Goetz, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Conceição Evaristo, Creuza Krahô, Edimilson de Almeida Pereira, Etel Adnan, Hervé Yamguen, Jacques Attali, Jean Casimir, Joshua Chambers-Letson, Juliana Borges, Keyna Eleison, Kim Cheng Boey, Linh Nga Niê Kdam, Márcia Wayna Kambeba, Nam Le, Naminata Diabate, Panashe Chigumadzi, Rodney Saint-Éloi, Thiago de Paula Souza, Tsitsi Jaji, Yásnaya Elena Aguilar Gil

Was, wenn Menschsein kein Zustand ist, sondern ein Verb? „Nicht alle Reisenden folgen Wegen“, schreibt Conceição Evaristo. Dieser Zeile entlehnt Bonaventure Soh Bejeng Ndikung den Titel der 36. Bienal de São Paulo und schlägt vor, Menschsein als Praxis, als ein Tun, nicht als Besitzstand zu denken. Die versammelten Stimmen nähern sich dem aus verschiedenen Richtungen: Für Juliana Borges etwa ist das Wandern und Sich-Verlieren eine Technologie des Abweichens; und Abdellatif Laâbis Gedicht „Ich bekunde“ betrachtet Menschlichkeit als ethische Praxis, die jeden Tag aufs Neue gelebt wird. Er fragt: „Was werde ich heute tun, um der Menschlichkeit würdig zu bleiben?“ – nah am Leitgedanken der Biennale von Menschlichkeit, die durch unser tägliches Handeln immer wieder neu bekräftigt wird. Creuza Krahô wiederum, die der Indigenen Krahô Gemeinschaft Brasiliens angehört, beharrt auf deren Recht "als Menschen in dieser Welt zu leben". Zwischen Poesie, Interview und Essays entsteht ein Klangraum, in dem Zuhören wichtiger wird als Betrachtung und Erfassen.
Inhaltsverzeichnis
12
Über Ruhe und Stille
Conceição Evaristo
16
Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Humanität als Praxis
Ein Konzept in drei Fragmenten
Bonaventure Soh Bejeng Ndikung
32
Auftritt
Tsitsi Jaji
36
Wolken streuen
Etel Adnan
44
Ich bekunde
Abdellatif Laâbi
48
On a tous besoin de rêver
(Wir alle brauchen Träume)
Alya Sebti
60
In der zirkulären Indigenen Zeit
Márcia Wayna Kambeba
64
Tout moun se moun / Jede*r ist ein Mensch
Jean Casimir
74
Humanität als Praxis
Begegnungen in drei Fragmenten
Abena P. A. Busia
80
Das et und das Menschliche
Yásnaya Elena Aguilar Gil
88
Wir/Sie
Rodney Saint-Éloi
94
Gemeinsam gehen
Anmerkungen zu Solidarität jenseits von Empathie
Anna Roberta Goetz
102
Wir selbst sind der Zweck
Joshua Chambers-Letson
112
Radikale Umwege
Irren als abolitionistische Praxis
Juliana Borges
[Leseprobe]
124
Wenn Menschsein ein Verb ist, dann ist es reisen
Jacques Attali im Gespräch mit Alya Sebti und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung
138
Schwindelgefühl
Nam Le
146
Troubadour von Guanajuato
Kim Cheng Boey
152
Worte zusammen sind Melodie
Keyna Eleison
164
Wir hören den Klang des Waldes
Linh Nga Niê Kdam
172
Flaschenkürbisfrauen
Creuza Krahô
186
Nacktproteste in Afrika, das Digitale und das Menschliche
Naminata Diabate
198
Horizonte der Fülle
Hervé Yamguen
204
Vortex
Bericht einer Überquerung
Edimilson de Almeida Pereira
210
Ukutshisa
Das Archiv in Brand setzen
Panashe Chigumadzi
222
Provisorische Landschaften
Thiago de Paula Souza
234
Die verborgenen Welten, in die nur die Stille der Poesie vordringt.
M-E-N-S-C-H konjugieren
Bonaventure Soh Bejeng Ndikung
Informationen
Verlag: Haus der Kulturen der Welt (HKW) und Archive Books, Berlin, 2026
Sprachen: Deutsche Ausgabe
266 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-912226-27-0
Preis: 21€
Erhältlich: Im Buchhandel, im HKW-Shop und im Webshop. Auch auf Englisch erhältlich.