Der Mond in deinem Mund
Samah Hijawi
Lecture-Performance, gemeinsames Mahl
Su., 20.9.2026
20:00–21:15
Miriam Makeba Auditorium
Auf Englisch
15€

Samah Hijawi, The Moon in your Mouth. Foto: Alex Heuvink
Die Veranstaltung Der Mond in deinem Mund setzt sich mit einem erweiterten Verständnis von Verwandtschaft – Kinship – und den wechselseitigen Beziehungen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Daseinsformen auseinander und stützt sich dabei auf die Astrologie und die Nahrung, die wir verspeisen. Ausgangspunkt sind folgende Zeilen aus dem Buch Sirr al-asrār (Das Buch der Geheimnisse) des Gelehrten Dschābir ibn Hayyān aus dem neunten Jahrhundert:
حقٌّ لا شكَّ فيه صَحيح
إنّ الأعلى من الأسفل والأسفل من الأعلى
عمل العجائب من واحد كما كانت الأشياء كلّها من واحد بتدبير واحد
Wahrlich und wahrhaftig, sicherlich und zweifellos!
Das, was unten ist, ist wie das, was oben ist, und das, was oben ist, ist wie das, was unten ist, ein ewig dauerndes Wunder des Einen.
Wie alles aus dem Einen hervorgegangen ist.
Diese Passage hat ihren Ursprung im Norden des heutigen Iran während der Islamischen Blütezeit und fasst alte philosophische Vorstellungen einer umfassenden, komplexen Kosmologie zusammen, die gleichermaßen leitend waren für Wissenschaften, Landwirtschaft, Künste wie auch für die Herrschenden. In dieser Performance greift Samah Hijawi die spirituelle Redewendung auf, um alte Kosmologien zu entschlüsseln und sie mit Esskulturen zu verknüpfen. Auf der Suche nach Wegen, die Geschichte des menschlichen Lebens neu zu erzählen, wendet sich Samah alten Kosmologien zu, die die Planeten – und deren Temperamente – als Teil des Alltags verstanden. So wollte beispielsweise niemand den Saturn verärgern oder es wagen, sich dem Mars auf seinem zerstörerischen Weg entgegenzustellen.
Samah zeichnet eine Route vom Mittelmeer bis nach Zentralasien nach und stellt dabei geografische Räume, Essen und die Sterne in einen Zusammenhang. Während sie das Publikum zu einem gemeinsamen Mahl einlädt, webt sie behutsam eine persönliche Geschichte aus ihrer Heimat im östlichen Mittelmeerraum ein und entwirrt dabei ein komplexes Geflecht aus unerwarteten Verbindungen zwischen irdischen und himmlischen Körpern, Erdboden und Himmelszelt.