Ajeum: Ein himmlisches Festmahl
Chef Joceval Santos und Ayrson Heráclito
Kuratiertes Mittagsmahl und Gespräch
Mit einem von Aline Baiana moderierten Gespräch
Sa., 1.8.2026
12:00
Weltwirtschaft Restaurant
20€
Tickets
Auf Portugiesisch mit Konsekutivübersetzung ins Englische

Senhor dos Caminhos (2018), at Museu de Arte Contemporânea (MAC), Niterói. Courtesy Chef Joceval Santos und Ayrson Heráclito
Die diesjährige Ausgabe von Tongue and Throat Memories eröffnet mit einer zeremoniellen Prozession, angeführt von dem Künstler Ayrson Heráclito und dem Küchenchef Joceval Santos, die beide auch Candomblé-Initiierte sind. Im Rahmen einer als Ajeum bekannten Zeremonie ist das Publikum eingeladen, die Beziehungen zwischen Nahrung und Natur bewusst zu erleben.
Inspiriert von der uralten Praxis, den göttlichen Mächten der Erde Speisen anzubieten, feiert die Performance den Akt des Miteinanderteilens. Ajeum – ein Yoruba-Wort das „gemeinsam essen“ bedeutet – ist eine der wichtigsten kollektiven Praktiken im Candomblé, mit der die gemeinschaftlichen und spirituellen Dimensionen der Nahrungsaufnahme als eine Geste der Verbindung mit dem Heiligen und mit der Natur bekräftigt werden.
Ajeum: Ein himmlisches Festmahl ist konzipiert als eine poetische Praxis, die ihre Inspiration aus dem Olubajé-Ritual bezieht. Das Heilige wird hier nicht imitiert, vielmehr geht es um den Versuch, in einen Dialog mit der symbolischen Macht des Rituals einzutreten, der es respektiert, ohne seine Heiligkeit zu verletzen.
Olubajé findet jährlich im August statt zu Ehren von Obaluaê/Omolu, dem Orisha (Gottheit) der Erde, der Krankheit und der Heilung. Das Ritual beinhaltet den gemeinsamen Verzehr traditioneller Speisen wie doburu (Popcorn), das auf Blättern serviert wird, sowie Danksagungen und Fürbitten um gute Gesundheit.
Der Begriff Olubajé verbindet Olu (den göttlichen Herrn oder König), und bajé (den Akt des Essens und der Ernährung von Körper und Seele). In einer Version des Mythos (Itã) heißt es, dass Obaluaê wegen seines Aussehens verspottet wurde, als er bei einem Festmahl von Xangô auftauchte, dem Orisha der Gerechtigkeit. Er wurde vom Orisha des Windes und der Verwandlung, Iansã, verehrt und bedeckte sich mit Stroh. Seine Wunden verwandelten sich in Popcorn, ein Symbol der Heilung und Verwandlung.
Die Teilnehmenden sind eingeladen, im Einklang miteinander und der Natur ein Mahl einzunehmen, das mit einem Reinigungsritual endet. Was vom Mahl übrigbleibt, wird anschließend den Wäldern und Flüssen dargebracht, womit die Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Natur symbolisiert werden.