Dieser Workshop stellt Bezüge her zwischen der Geschichte des Bullerengue, seinen aktuellen Kontexten und der persönlichen Geschichte der Gastgeberin Guadalupe Miranda, Tochter der gefeierten Cantadora Ceferina Bánquez und Hüterin ihrer Familientradition. Musikalisch wird sie begleitet vom Sohn der legendären Cantadora Petrona Martínez, dem Tambolero (Trommler) Álvaro Llerena, sowie unterstützt vom Kulturvermittler Diego Garnica. Miranda gibt Einblicke in verschiedene Aspekte dieser tief im afrokolumbianischen Körpergedächtnis und in Prozessen des kulturellen Widerstands verwurzelten Praxis, die ihrer Community Halt und Kraft gegeben hat. Dabei bezieht sie auch ihren eigenen künstlerischen Werdegang und ihre Biografie mit ein, die von Vertreibung und Migration geprägt ist. Mit einer Kombination aus Geschichtenerzählen, künstlerischem Ausdruck und kollektiver Beteiligung rückt die Session die Rolle und Bedeutung der Frauen in der mündlichen Überlieferung in den Vordergrund. Außerdem geht es um die generationenübergreifende Weitergabe von Wissen, um die Bewahrung des kollektiven Gedächtnisses und um die Stärkung kommunitärer Bindungen vor dem Hintergrund  jahrzehntelanger Gewalt  und ihrer Folgen für afrostämmigen Communitys in Kolumbien. 

Der Workshop wird gemeinsam mit der Schlagzeugerin und Pädagogin Valeria Pacific durchgeführt. Als Co-Direktorin des Bullerengue Circle hat sie maßgeblich zu Aufbau und Entwicklung der europäischen Bullerengue-Community beigetragen. Nach einem Warm-up sind die Teilnehmenden eingeladen, sich aktiv einzubringen durch gemeinsames Singen, Händeklatschen und die Dynamiken von Call-and-Response – grundlegende Elemente der gemeinschaftlichen Bullerengue-Praxis. Der Workshop endet mit einer gemeinsamen Rueda, dem offenen Kreisformat, in dem sich Bullerengue entfaltet. Dabei wird der inklusive Charakter des Bullerengue hervorgehoben und seine Fähigkeit, verkörpertes Erinnern und kollektiven Widerstand zu fördern. Die Teilnehmenden sind herzlich eingeladen, ihre eigenen Trommeln oder Maracas mitzubringen und musikalisch mitzuwirken. 

Verkörperte Geschichten: Gemeinsam erinnern, Kraft schöpfen und das Leben feiern findet im Rahmen des laufenden Programms Politics of Rhythm statt, das Tanz- und Musikpraktiken wie Bullerengue fördert, um gemeinschaftliches Wissen zu bewahren und weiterzugeben. Die Veranstaltung steht Menschen jeden Alters offen und stellt in entspannter Atmosphäre das aktive Lernen durch eigenes Handeln in den Mittelpunkt. Es wird eine einfache Sprache verwendet, die einige wenige nicht-explizite Erwähnungen von Gewalt beinhalten kann. Im Verlauf des Workshops gibt es eine Pause in der  Sitzsäcke und Stühle bereitgestellt werden. Der Raum hat einen ebenen Boden und ist für Rollstuhlnutzer*innen zugänglich. 

In diesem Umfeld und in jeglicher Verbindung mit dem HKW gibt es keinen Raum und keine Toleranz für Hassreden oder Hassaktionen jeglicher Art. Das HKW heißt alle willkommen, die sich an der emanzipatorischen Praxis des Bullerengue beteiligen möchten, insbesondere diejenigen, die antirassistischen, intersektionalen, feministischen und queeren Aktivismus praktizieren.