Sa, 29. März 2014

Algerischer Film, 60 Jahre später

mit: Ahmed Bedjaoui, Safinez Bousbia, Manthia Diawara, Amor Hakkar, Said Ould Khalifa, Karim Moussaoui

Regisseure und Filmwissenschaftler diskutieren Fragen der algerischen Filmgeschichte und der gegenwärtigen Produktion – und geben durch die pointierten Fragestellungen differenzierte Einblicke in die Filmszene des Landes. Wenn der algerische Film eng mit dem Befreiungskrieg ab1954 verbunden ist, ist das ein Trauma oder eine Quelle der Inspiration für die neue Generation? War das Kino der ersten Jahrzehnte – vor dem Bürgerkrieg – ein „Goldenes Zeitalter“, und was wäre sein Erbe? So erfolgreich Assia Djebar, die erste algerische Regisseurin, als Filmemacherin und Autorin weltweit war, öffnete sie die Türen für nachfolgende Frauen? Hat das Ende des staatlichen Monopols die Lage im Filmsektor verbessert? Wird die islamistische Periode in den Filmen ausreichend reflektiert? Welche Faktoren können die Entwicklung des algerischen Films befördern, welche Rolle spielen Koproduktionen dabei? Welche Impulse gibt die neue Generation von Regisseuren, die ihren Erfolg in Europa gemacht haben, und welche Impulse sind von den jüngsten Filmemachern zukünftig zu erwarten?


ZU GAST BEIM FESTIVAL

Ahmed Bedjaoui (*1943) der Kurator von „Algerien nach 1954 – Filmische Reflexionen“ ist Professor für Filmwissenschaft an der Université 3 in Algier und Leiter des Studien-Centers von El Khabar, der größten Tageszeitung des Landes. Er war Gründungsmitglied sowohl der Cinémathèque Algerienne als auch der algerischen Liga für Menschenrechte. Außerdem war Ahmed Bedjaoui Vizepräsident der Biennale für junge Künstler Europas und des Mittelmeerraums sowie Präsident des algerischen Filmfonds.

Safinez Bousbia (1983*) ist eine algerisch-irische Filmemacherin und Produzentin. Sie studierte Architektur und Design in Oxford und Dublin. 2003 begegnete sie in Algier der Geschichte der Chaabi-Musiker, die sie in ihrem preisgekrönten Filmdebüt „El Gusto“ zeigt. Beim Abu Dhabi Filmfestival 2011 erhielt sie u. a. den Preis für die „Beste arabische Regisseurin“.

Amor Hakkar (*1958) ist Regisseur und Schriftsteller. In Algerien geboren und in Frankreich aufgewachsen, führte er 1990 bei „Apprends-moi à compter jusqu’à l’infini“ erstmals Regie. In „La maison jaune“ übernahm er neben der Regie auch die Hauptrolle. 2013 war er mit „La Preuve“ beim internationalen Filmfestival in Dubai vertreten.

Karim Moussaoui (*1975) ist Schauspieler, Regisseur und Gründungsmitglied von Chrysalide, einer der wichtigsten Independent Filmförderungen Algeriens. Bei mehreren Kurzfilmen führte er Regie, als Schaupieler ist er u. a. in „Délice Paloma“ zu sehen. In „Les jours d’avant“ setzt er sich mit islamistischer und staatlicher Gewalt in Algerien auseinander.

Saïd Ould Khalifa (*1951) führte 1991 beim Langfilm „White Shadow“ erstmals Regie. Zuvor war er von 1969 bis 1989 als Journalist tätig – zunächst in Algerien, dann in Frankreich. Sein Spielfilm „Zabana!“ wurde bei den Oscars 2013 in der Kategorie „Bester ausländischer Spielfilm“ eingereicht.