So, 27. Oktober 2013

Schöne Böse Welt

Mit Dunja Brill (Ethnologin, Sussex/Berlin), Lars Brinkmann (Journalist, Hamburg), Michael Farin (Autor und Verleger, München), Paul Paulun (Radiomacher, Berlin), Moderation: Detlef Diederichsen, Leiter Musik-Bereich HKW, und Holger Schulze, Leiter Sound Studies Lab HU Berlin

Das Besingen radikaler psychischer Abgründe aus Hass und freudvoll-perversen Bedürfnissen geht uns nah. Es rührt an unsere moralischen, gesetzlichen und intimen Grenzen. Die böse Welt ist schön und hat viele schöne Lieder: Der Kern unseres musikalischen Kanons besteht aus Krieger-, Seefahrer- und Ritterepen, aus Marsch- und Mafiamusik, aus Lobgesängen auf Mord und Unmenschlichkeit. Warum sind wir überrascht, solche Lust in uns zu entdecken? (Musik-)Ästhetischer Genuss an der Vernichtung anderer? Sind böse Hymnen Bannfluch und Entlastungsphantasie? Was wäre ein nicht-böses Leben wert? Sind nicht nur Mörder und abgrundtief böse Menschen wirklich sexy?


Dunja Brill ist Medien- und Kulturwissenschaftlerin (University of Sussex, 2006) mit Abschlüssen in Psychologie (Bonn, 2000) und International Journalism (Edinburgh, 2001). Forschungsschwerpunkte: Subkulturen, alternative Musik, mediale Repräsentationen von Geschlecht und Sexualität. Aktuelles Forschungsprojekt: „Sound-Schlachten – Männlichkeit, Whiteness und Gewalt in subkulturellen Musikszenen“ (beforschte Szenen: Industrial und Extreme Metal) an der HU Berlin, Institut für Europäische Ethnologie.


Michael Farin lebt in München, Verleger (belleville Verlag), Herausgeber, Übersetzer, Hörspiel- und Drehbuch-Autor. Publikationen u.a.: »Heroine des Grauens - Elisabeth Bathory«, »Leopold von Sacher-Masoch«, »Ed Gein – A quiet man« (Sammelband zum realen Vorbild vom Hitchcocks »Psycho«), »Die Haarmann-Protokolle«, »Nosferatu« usw. Herausgeber diverser Bücher von Joris-Karl Huysmans, Norbert Jacques, Pierre Loti, Oskar Panizza, Sacher-Masoch, Marquis de Sade, Orson Welles u.v.a. Kurator der Ausstellungen »Polizeireport 1799-1999« im Münchener Stadtmuseums sowie (zusammen mit Peter Weibel) der Ausstellung »Phantom der Lust« in Graz (Kulturhauptstadt Europas 2003). Jeweils umfangreiche Kataloge. 2005 »polymorph pervers« für das Kunstfest in Weimar. Seit 1980 zahlreiche Feature und Hörspiele für diverse Rundfunkanstalten. Außerdem Co-Autor bei Romuald Karmakars Filmen »Der Totmacher« und »Frankfurter Kreuz« nach einem Hörspiel von Jörg Fauser. Inszenierung von Yukio Mishimas »Mein Freund Hitler« am Bayerischen Staatsschauspiel (2000; zugleich Live-Hörspiel im Bayer. Rundfunk). 2012 (zusammen mit Zeitblom) »Kyffhäuser. Unternehmen Barbarossa. Träume vom Tod!« an der Berliner Volksbühne.


Paul Paulun, geht mit Musik und Field-Recordings in Form von Texten, Radio-Features, Hörstücken und thematischen Musiksendungen um. 2013 kuratierte er die Ausstellung "Wir sind hier nicht zum Spaß" im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien (Berlin). www.paulpaulun.de