Sa, 22. Juni 2013

The Whole Earth - Konferenz

Kuratiert von Diedrich Diederichsen & Anselm Franke

© Alex Slade, 2013

© Alex Slade, 2013

Von Öko-Psychedelia zum Internet-Neoliberalismus: Die Diskussionen der KONFERENZ kreisen um Fragen nach dem Erbe der kalifornischen Gegenkultur. Wie kam es, dass einige ihrer Konzepte zu globalen Prinzipien neuer kapitalistischer "Frontiers" wurden? Roundtables erörtern die historischen Quellen und Bezüge von Diskurs- und Politikfeldern wie der Ökologiebewegung, der Kybernetik, der anti-konformistischen Kulturen, der neuen Kunstpraxen im Zeichen der Entgrenzung sowie deren Transformationen bis zum globalistischen Netzwerkkapitalismus der 1990er-Jahre. Untersucht werden damit die Hintergrundbedingungen jener Diskurse, die heute im Begriff vom Anthropozän verhandelt, aktualisiert oder auch vergessen werden.

Konferenztag 1 | Konferenztag 2


14 h Kybernetik und Ganzheitlichkeit

Mit Avery F. Gordon (Schriftstellerin, Soziologin), Lars Bang Larsen (Kunsthistoriker, Kurator) und Laurence A. Rickels (Theoretiker, Therapeut)

Das Panel erschließt unterschiedliche Perspektiven auf zwei ideologische Bezugspunkte der Gegenkultur: die aus der militärischen Forschung hervorgegangene Kybernetik einerseits und aus Naturphilosophie, Esoterik und Ökologie stammende Visionen von Ganzheitlichkeit andererseits. Gegenstand der Diskussion sind verschiedenen Motive der Einschließung und Totalisierung: Was bedeutet das Verschwinden eines Außerhalb der Systeme?


Avery F. Gordon ist Professorin für Soziologie an der University of California/Santa Barbara und Gastdozentin am Centre for Research Architecture, Goldsmiths, University of London. Ihre Arbeiten befassen sich mit radikalen Formen des Denkens und Handelns. Sie schreibt über Gefangenschaft, Krieg und Enteignung.

Lars Bang Larsen ist ein Kunsthistoriker und Kurator, der sich mit ästhetischen und theoretischen Fragen zu Gegenkulturen seit den 1960ern beschäftigt. Kürzlich promovierte er mit der kunstgeschichtlichen Arbeit A History of Irritated Material, Psychedelic Concepts in Neo-Avant-Garde Art an der Universität Kopenhagen.

Laurence A. Rickels ist Professor für Kunst und Theorie an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und unterrichtet Medientheorie und Philosophie an der European Graduate School. Von 1981 bis 2011 unterrichtete er Deutsche Literatur, Komparatistik, Kunst und Film an der University of California/Santa Barbara.


16 h Strukturanpassungen

Mit Mercedes Bunz (Kulturwissenschaftlerin, Reporterin), Katja Diefenbach (Theoretikerin) und Tom Holert (Kunsthistoriker, Publizist und Künstler).

Die Motive und Errungenschaften der Gegenkultur erweisen sich gerade im Umbau von wirtschaftlichen, politischen und pädagogisch-psychologischen Organisationsstrukturen als besonders erfolgreich. Ein bestimmter Begriff von Empathie und Spontaneität sowie die damit verbundene Auflösung linearer und hierarchischer Entscheidungsketten und die aus der Kritik an einer von Unternehmen beherrschten Welt hervorgegangenen Werte werden zu Bausteinen einer neuen Verwaltungs-, Unterweisungs- und Unternehmenskultur.


Mercedes Bunz forscht zu digitalen Medien, Gesellschaft und Kritikalität. An der Leuphana Universität Lüneburg leitet sie ein Forschungsteam zum digitalen Publizieren. Zuletzt erschien von ihr Die Stille Revolution. Wie Algorithmen Wissen, Arbeit, Öffentlichkeit und Politik verändern, ohne dabei viel Lärm zu machen.

Katja Diefenbach ist Teil des Berliner Verlagskollektivs b_books und lehrt zur Zeit an der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind französische Philosophie und Epistemologie der Gegenwart. Neben zahlreichen Artikeln zur Frage des Politischen im Postmarxismus publizierte sich auch über Transgression, Subkultur und Netzkritik.

Tom Holert, Kunsthistoriker, Publizist und Künstler, befasst sich mit zeitgenössischer und nachmoderner Kunst sowie visueller Kultur, Politik, Krieg, Mobilität, Glamour und der Gouvernmentalität der Gegenwart.


18 h Ende der Philosophie, Beginn der Kybernetik?

Mit Hans-Christian Dany (Künstler und Autor), Erich Hörl (Medientheoretiker, Philosoph) und Eva Meyer (Philosophin, Autorin, Filmemacherin)

Der Aufstieg der Kybernetik ist immer wieder in Verbindung gebracht worden mit den politischen und metaphysischen Problemen der Philosophie im Ausgang von zweitem Weltkrieg, Holocaust und Atombombe. Ob hier eine historische oder metaphysische, eine technologische oder kulturelle Krise zu diagnostizieren war, blieb dabei erstaunlich unwichtig. Zu welchem Umdenken ist die Philosophie angesichts einer digital basierten Weltmaschine – wie sie sich manche Neo-Kybernetiker heute erträumen – gezwungen?


Hans-Christan Dany lebt als Künstler und Autor in Hamburg. Seit 1989 zahlreiche Veröffentlichungen in Büchern, Katalogen und Zeitschriften wie u.a. Springerin, Neue Zürcher Zeitung, Texte zur Kunst, Die Beute. Nach seinem Buch „Speed. Eine Gesellschaft auf Droge“ erscheint im August „Morgen werde ich Idiot. Kybernetik und Kontrollgesellschaft“.

Erich Hörl ist Professor für Medientechnik und Medienphilosophie an der Ruhr-Universität Bochum und leitet das Bochumer Kolloquium Medienwissenschaft. Aktuell forscht er zur allgemeinen Ökologie der Medien und Techniken sowie zu Geschichte und Perspektiven der Kybernetisierung.

Eva Meyer, Philosophin, Autorin und Filmemacherin, lehrt gegenwärtig an der Zürcher Hochschule der Künste. Zu ihren Publikationen zählen u. a. Zählen und Erzählen. Für eine Semiotik des Weiblichen (1983, NA 2013) und Frei und indirekt, 2010. (Zusammen mit Eran Schaerf arbeitet sie an Film- und Hörspielprojekten.) Letztes Hörspiel: Das digital geborene Ich (2011). Letzter Film (mit Eran Schaerf): Protesting (2010).


Konferenztag 1 | Konferenztag 2


The Whole Earth. Kalifornien und das Verschwinden des Außen wird gefördert vom Hauptstadtkulturfonds.

Unterstützt von der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika und von FWD I Präsentiert von tip, taz – die tageszeitung, De:Bug, ExBerliner, reboot.fm