Sa, 02. Februar 2013

Toute la mémoire du monde

Oskar Fischinger, Adrian Brunel, Alain Resnais, Klaus vom Bruch, Elizabeth Price, Christoph Girardet

BWPWAP waren Archive die zentralen Wissensspeicher der Welt. Dieses Programm spannt einen Bogen vom Medium Film als Archiv bis hin zu Filmen über Bibliotheken, Museen und Akademien.

1922 hatte Oskar Fischinger bei seinem Umzug von München nach Berlin kein Geld, weder für ein Ticket, noch für Fotonegative. Also durchquerte er ganz Deutschland zu Fuß und nutzte für die München-Berlin Wanderung seine Filmkamera wie einen Fotoapparat, was angesichts der großen Filmrollen sehr viel ökonomischer war. So entstand dieser Vorläufer des Diary-Genres. Mit dem frühen Kino begann auch der Erfolg des kolonialen Reisefilms, die Menschen waren begierig auf bewegte Bilder aus aller Welt. Crossing the Great Sagrada nutzt als erster Found-Footage-Film der Geschichte die Mittel der Montage, um das Genre zu persiflieren. Toute la mémoire du monde zeigt im ganzen Pathos der Grande Nation die Organisation einer der damals größten Bibliotheken der Menschheit. Dem Großen und Ewigen war das nationalsozialistische Haus der Kunst in München gewidmet, in Eyewitness wird es mit der verhassten Massenkultur der Amerikaner kontrastiert. The Woolworths Choir of 1979 verwebt drei Erzählstränge – die Geschichte einer sakralen Chorarchitektur aus dem 13. Jahrhundert, einen Pop-Chor und einen Kaufhausbrand – zu einer oszillierenden Form der Geschichtsdarstellung. Im Raum zwischen Kopie und Original bewegt sich die Found-Footage-Installation The Eternal Lesson, in der Kunststudenten Repliken klassischer Meisterwerke kopieren.


Wandering from Munich to Berlin – München-Berlin Wanderung, Oskar Fischinger, de 1927, 5 min

Crossing the Great Sagrada, Adrian Brunel, uk 1924, 15 min *

Toute la mémoire du monde, Alain Resnais, fr 1956, 21 min

Eyewitness – Augenzeugen, Klaus vom Bruch, de 1993, 7 min

The Woolworths Choir of 1979, Elizabeth Price, uk 2012, 20 min

The Eternal Lesson, Christoph Girardet, de 2012, 7 min


* with live piano accompaniment by Peter Gotthardt