So, 03. Februar 2013

Eier Haben

Mit Diane Torr, Anus B. Haven, Anaïs Héraud, Kai Simon Stoeger, Viola, Francesco Macarone Palmieri aka WARBEAR

Hoden sind komplexe sexualisierte Entitäten. So wie kurvige Hüften von Seite zu Seite schwingen, wippen Hoden hoch und runter. Das ist kein bewusst ablaufender Prozess. Der Cremastermuskel hält Hoden unfreiwillig in Bewegung. Seit dem Krieg aber sind Chemikalien über den Boden in den männlichen Körper eingedrungen, haben sich Östrogene an Rezeptoren gehaftet und die Kronjuwelen systematisch geschwächt. Unklare Zugehörigkeiten führen zu einem Gefühl des Nicht-Besitzens, zu einem planetarischen Treiben zwischen imaginierten Wesenszuständen.

Plötzlich bist du an einem neuen Ort und kommst nicht mit dem Ticket-Automaten klar. Hinter dir hat sich schon eine Schlange gebildet und du suchst verzweifelt nach den richtigen Münzen, denn der Automat nimmt keine Scheine. Es ist eine andere Währung, deswegen musst du jede einzelne Münze genau anschauen, um herauszufinden, was sie wert ist. Du spürst die angespannten, ungeduldigen Körper hinter dir, irritiert von deiner Inkompetenz. Die Sprache verstehst du kaum, deswegen wählst du das falsche Fenster auf dem Screen. Die Frau hinter dir gerät außer sich. Du spürst, wie sie sich immer mehr ärgert, dich unter Druck setzt. Sie mustert dich – deine Schuhe, dein Haar, deine schäbige Jacke – auf der Suche nach Gründen, die sie in ihrem Ärger bestärken könnten, der sich jetzt schnell in Hass verwandelt. Du schaust zurück und siehst all die aufgebrachten Gesichter auf den links und rechts aus der Gruppe potenzieller Fahrgäste herausragenden Köpfen. Sie alle wollen die Bahn nehmen, die in vier Minuten fährt.

Plötzlich erwacht ein Verlangen in dir.


Followed by a conversation between Diane Torr and Francesco WARBEAR Macarone Palmieri.


Please note that for this performance the entrance to the Auditorium is delocated to the rear entrance behind the stage.