So, 03. Februar 2013

BWPWAP Desire

mit Allucquére Rosanne "Sandy" Stone, Francesco WARBEAR Macarone Palmieri (mod.)

Der Spannungsbogen des Werks von Allucquére Rosanne „Sandy“ Stone ist mehr oder weniger wie ihr Leben verlaufen: Schlussfolgerungen abgelehnt, auf Situation bestanden, Multiplizität und Fungibilität in den Vordergrund gerückt. Wie Stone selbst betont, beschäftigt sie sich am liebsten mit Grenzfällen – mit Situationen, die so vieldeutig sind, dass mögliche Muster nichts weiter als Produkte des sich nach epistemischer Schlussfolgerung sehnenden Rezipienten sein können, nicht aber Künstlerintention.

Der Trick besteht darin, das Verlangen (Desire) nach einer Auflösung weit über das erträgliche Maß hinauszuzögern, ohne es zu befriedigen. Irgendwo in dieser angespannten Zone überschreiten wir, was Stone die „bindende Energie einvernehmlicher Halluzinationen“ nennt. An diesem Punkt werden, metaphorisch gesprochen, die Muttern und Schrauben sichtbar, die unsere Realität zusammenhalten. Stone diagnostiziert, dass das interessanteste Betätigungsfeld für ein solches Modell eben das Verlangen ist, weil es die kraftvollste aller Erfahrungen und inhärent menschlich ist. Auf keinen Fall will sie Verlangen theoretisieren, nur um künstlerisch zu erkunden, wie der Mensch tickt. Im Gegensatz zu ihrer Theaterarbeit, die penibel kontrolliert und geprobt wird, sind Stones öffentliche Vorträge meist unvorhersehbar und aleatorisch, kreisen um die Themen Identität, Körper und Gender, und binden darüber hinaus oft Katzen, Selbstgefälligkeiten und das Publikum ein.