Mi, 30. Januar 2013

Paperbound – Cultural Imaginaries and Practices in the Epoch of Paper

mit Prof. Dr. Lothar Müller, Prof. Dr. Markus Krajewski, Prof. Gary Hall, Janneke Adema, Alessandro Ludovico (mod.)

Papierbasierte Medien wie Bücher, Briefe, Dokumente und Karteikarten spielen nicht nur für die literarische Kultur, sondern auch für die Computerkultur eine zentrale Rolle. In Weiße Magie – Die Epoche des Papiers (2012) stellt Lothar Müller die These auf, die kulturelle Bedeutung von Papier sei nicht nur aus praktischer Sicht zu bewerten, sondern Papier sei als universale Metapher zu denken, die unsere Alltagskultur durchdringt. In diesem Sinne sind papierbasierte kulturelle Praktiken nicht auf das Analoge beschränkt.

Das Fortbestehen von Papier stellt die Vorstellung von einem linearen Übergang des Analogen zum Digitalen infrage. Alessandro Ludovico geht davon aus, dass Druckmedien in der postdigitalen Ära nicht obsolet geworden sind, sondern nur neu erfunden werden. Er untersucht, wie das Erbe verschiedener papierbasierter Medien transformiert wird und umgekehrt das kulturelle Imaginäre und kulturelle Praktiken transformiert. Müllers historischer Ansatz ist die Basis für seine Erkundung des sozialen und kulturellen Einflusses von Papierformaten wie der Briefmarke, der Lochkarte oder dem Zeitungspapier und des Einflusses von Papier auf die literarische Moderne. Markus Krajewski geht am Beispiel der Veränderungsprozesse des Schreibens in elektronischen Kontexten auf Papier als Aspekt der Computerkultur ein und stellt seine Software Synapsen vor, ein virtueller Zettelkasten. Gary Hall und Jenneke Adema untersuchen die Existenz des Buches zwischen materiellem und konzeptuellem Objekt. Dafür stellen sie das Künstlerbuch und die wissenschaftliche Monografie gegenüber. In beiden Fällen kann das Buch als papierbasiertes politisches Werkzeug für den Entwurf einer alternativen Zukunft betrachtet werden.