Sa, 12. Januar 2013

Insel: Techné

Mit Renée Green (Department of Architecture, Massachusetts Institute of Technology, Cambridge), Xavier Le Roy (Performance-Künstler, Frankreich), John Law (Department of Sociology, Open University, Milton Keynes), Cary Wolfe (Department of English, Rice University, Houston). Moderation: Karin Harrasser (Institut für Medien- und Kulturwissenschaften, Kunsthochschule für Medien Köln)


Was bedeutet es im Anthropozän, „etwas zu tun“? Diese Insel befasst sich mit Aktion, Kreation und Intervention und nimmt hierfür den griechischen Begriff techné als Ausgangspunkt: ein Begriff, der viele Bedeutungsregister umspannt, von Kunst, Handwerk oder Können bis zu Technik oder Technologie. Philosophisch betrachtet, findet die techné ihren Ursprung in einer Offenbarung der Welt durch das Können des Technikers und impliziert eine spezifische Poetik, die über das reine Tun hinausgeht: Die Formen, in denen Menschen in ihrer Welt agieren und Wirkungen erzielen, haben zu einer Metaphysik des Handelns geführt und eine Hybridisierung menschlichen Tuns ausgelöst. So sind Dinge entstanden, die weder der „Mensch“ noch die „Natur“ allein hätten produzieren können. Wenn der anthropozänen These zufolge Handlungsmacht erweitert wird, um alle – belebten wie unbelebten – Akteure einzuschließen, dann könnte man argumentieren, dass eine postmenschliche Welt entstanden ist. Wie verkompliziert dieses weltumspannende Vermögen „etwas zu tun“ posthumanistische Erzählungen von Handlungsmacht, Veränderung und Wirksamkeit?



Renée Green (Cambridge, Massachusetts) ist Künstlerin, Filmemacherin und Autorin. Sie ist Professorin und Direktorin von ACT – Program in Art, Culture and Technology am MIT. Sie untersucht Wechselbeziehungen und zeitliche Austauschprozesse sowie Lücken und Verschiebungen der öffentlichen wie privaten Erinnerung. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf den Auswirkungen einer sich verändernden transkulturellen Sphäre und der Frage, was heute theoretisch und praktisch möglich ist.


Karin Harrasser (Köln) lehrt und forscht an der Kunsthochschule für Medien in Köln und arbeitet über die Kultur- und Wissensgeschichte der Prothetik. Weitere Forschungsprojekte beschäftigen sich mit Gender, Medien und Technologien, Theorien des Subjekts/Theorien des Objekts sowie Popkultur/Science-Fiction. Karin Harrasser war eine der künstlerischen und wissenschaftlichen Leiterinnen des Projekts "Die Untoten: Life Sciences & Pulp Fiction".


John Law (Milton Keynes) ist Professor für Soziologie und Co-Chair des Centre for Research on Socio-Cultural Change (CRESC), sowie Leiter des Social Life of Method Theme am CRESC, das von der Open University und der Manchester University getragen wird. Sein Forschungsansatz ist interdisziplinär und sowohl in materieller als auch diskursiver Hinsicht heterogen; sein Forschungsgebiet ist die Performativität der Methode.


Xavier Le Roy (Frankreich) hat an der Université Montpellier in Molekularbiologie promoviert und arbeitet seit 1991 als Tänzer und Choreograf. Seit 2004 ist er in diversen Bildungsprogrammen involviert. Seine Arbeiten entstehen aus Experimenten und wollen Erfahrungen vermitteln, die die Grenzen dessen, was sichtbar, hörbar und aussprechbar ist, erproben. Seine jüngste Arbeit "Retrospective" wurde 2012 bei der Fundació Tapiès in Barcelona entwickelt.


Cary Wolfe (Houston) ist Dunlevie Professor of English und Gründungsdirektor des Center for Critical and Cultural Theory an der Rice University. Er ist der Autor von "What Is Posthumanism?", das die Hauptanliegen seiner Arbeit zusammenbringt: Tierstudien, Systemtheorie, Pragmatismus und Poststrukturalismus. Dieses Buch ist Teil der Serie "Posthumanities" bei der University of Minnosota Press, deren Gründungsherausgeber er ist.




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