Fr, 11. Januar 2013

Insel: Zeiten

Mit Claire Colebrook (Department of English, Pennsylvania State University, University Park), Nikolaus Geyrhalter (Filmemacher, Wien), Daniel Rosenberg (Department of History, University of Oregon, Eugene), Jan Zalasiewicz (Department of Geology, University of Leicester). Moderation: Reinhold Leinfelder (Institut für Geologische Wissenschaften, Freie Universität Berlin)


Diese Insel will unsere Wahrnehmung für die simultanen und divergierenden Zeitlichkeiten sensibilisieren, die der Idee des Anthropozäns innewohnen. Betrachtet man das In-der-Welt-Sein als etwas, das tief in seiner zeitlichen und räumlichen Umgebung verwurzelt ist, dann könnte unsere Erfahrung von Zeit als ein verhandelbarer, ja manipulierbarer Zustand begriffen werden. Kulturelle, biologische und geologische Zeiten falten sich in- und übereinander – teils komprimiert zu einem diskreten Quantum verdichteten Geschehens, teils ausgedehnt in unermessliche Breiten –, die unsere Fähigkeit, Voraussagen zu treffen, bei weitem übersteigt. Zyklische Wendungen, dissoziative Strukturen, unmessbare Zeiten verbinden sich zu einem komplexen Kontinuum des Seins. In wieweit sind wir – mit Blick auf die politische Aufgabe, Entscheidungen umzusetzen – in der Lage, die Folgen unserer Handlungen vorausschauend oder rückblickend abzuschätzen und zu bewerten?


Claire Colebrook (University Park) ist Professorin für Anglistik an der Penn State University. Zu ihren Forschungsgebieten gehören zeitgenössische Literatur, Bildkultur und Kulturwissenschaft. Sie hat über Lyrik, Literaturtheorie, Queer Theory und zeitgenössische Kultur publiziert und ist Herausgeberin des Buchs "Extinction" (2012) und Mitherausgeberin der Reihe "Critical Climate Change" (Open Humanities Press) sowie Mitglied des Beirats des Institute for Critical Climate Change.


Nikolaus Geyrhalter (Wien) ist Regisseur, Autor, Produzent und Dokumentarfilmer. In seinen Filmen durchbricht er Hierarchien zwischen Materialien, Dingen und Personen mit einem spezifischen Ansatz statischer Kameraeinstellungen und einem Fokus auf Prozesse menschlicher Arbeit, Verfallsprozesse und Rituale. Sein bekanntester Film "Unser täglich Brot" (2005) zeigt Prozesse der Lebensmittelherstellung ohne jeglichen Kommentar oder Untertitel.


Reinhold Leinfelder (Berlin) ist Geologe und Professor an der Freien Universität Berlin (Leiter der AG Geobiologie und Anthropozänforschung) und am Rachel Carson Center for Environment and Society an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen und des Sachverständigenbeirats für Naturschutz und Landschaftspflege des Landes Berlin.


Daniel Rosenberg (Eugene)ist Professor für Geschichte am Robert D. Clark Honors College, University of Oregon. Er ist auf Fragen der historischen Repräsentation spezialisiert. Mit Anthony Grafton ist er Ko-Autor von "Cartographies of Time: A History of the Timeline" (2010), mit Susan Hardin veröffentlichte er "Histories of the Future" (2005). Er ist freier Redakteur von Cabinet: A Quarterly of Art and Culture. Seine aktuelle Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte von Daten.


Jan Zalasiewicz (Leicester/London) ist Senior Lecturer an der University of Leicester und Mitglied der Stratigraphy Commission der Geological Society, London, einer Gruppe von Wissenschaftlern, die eine herausragende Rolle bei der Analyse des Anthropozän-Phänomens spielen. Er unterrichtet verschiedene Aspekte der Geologie und Erdgeschichte und erforscht fossile Ökosysteme und Umweltphänomene über eine halbe Milliarde Jahre Erdgeschichte.


Eine Veranstaltung im Rahmen von
null